Veränderungen liegen in der Luft

Verwaltungsleiter Klaus-Dieter Salinga wird nach 42 Jahren im kreiskirchlichen Dienst in den Ruhestand verabschiedet

Klaus-Dieter Salinga

Verwaltungsleiter Klaus-Dieter Salinga freut sich auf den bevorstehenden Ruhestand. PHOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Der Wechsel in der Verwaltungsleitung des Kreiskirchenamts steht kurz bevor. Während für die Mitarbeitenden die Umbauarbeiten der Büroräume des Verwaltungsleiters Klaus-Dieter Salinga in der dritten Etage nicht zu überhören sind, sitzt dieser nur ein Stockwerk höher gut gelaunt im Interview im Öffentlichkeitsreferat. Gegenwärtig genießt Salinga seinen Urlaub und befindet sich mit einem Bein im Ruhestand. Bereits am 1. September wird Matthias Hurraß als neuer Verwaltungsleiter in sein Amt eingeführt. Katharina Blätgen, Leiterin des Öffentlichkeitsreferats, nutzt die Gelegenheit, Klaus-Dieter Salinga nicht nur die obligatorischen Fragen zu seinem Werdegang zu stellen. Welche nennenswerten Erfahrungen wurden bei einer Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Glaube und Verwaltung gemacht? Welche persönlichen Veränderungen wird der Ruhestand zukünftig mit sich bringen?

Kaufmannsgehilfe wird Quereinsteiger

Wenn Klaus-Dieter Salinga am 5. September während eines Festgottesdienstes in der Gelsenkirchener Altstadtkirche offiziell verabschiedet wird, hat er 42 Jahre im kreiskirchlichen Dienst hinter sich. Der 63-jährige „waschechte Gladbecker“ kann dann auf insgesamt 49 Jahre im Arbeitsleben zurückblicken. Er hat noch genau vor Augen, wie er im Jahr 1965 als junger Mann von erst 13 Jahren in seiner Heimatstadt eine Ausbildung zum Kaufmannsgehilfen absolviert hat. Ein Alter, in dem heute die Jugendlichen noch reichlich Zeit haben sich zu überlegen, welche Richtung sie einmal beruflich einschlagen wollen. An die 1970er Jahre erinnert sich Salinga als eine Phase der Errichtung von Kreiskirchenämtern. Eine Zeit, in der er die Möglichkeit des Seiteneinstiegs in den kirchlichen Dienst nutzt, indem er berufsbegleitend kirchliche Verwaltungslehrgänge absolviert. Damit wird der Grundstein für seine berufliche Laufbahn gelegt.
Der Weg zur Tätigkeit als Verwaltungsleiter führt ihn über verschiedene berufliche Stationen im Ruhrgebiet: Im Jahr 1972 beginnt er als Verwaltungsangestellter in Gladbeck. Anschließend ist er von 1980 an als Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Herten tätig und im Jahr 1984 wechselt er in die Verwaltung des Kreiskirchenamtes Recklinghausen, wo er später die Haushaltsabteilung leitet. In den Kirchenkreis Gelsenkirchen kommt Salinga schließlich 1988. Er durchläuft den Prozess der Verbeamtung, die ihm den sperrigen Titel „Kirchenverwaltungsoberrat“ verleiht, und er wird stellvertretender Verwaltungsleiter. Den Posten des Verwaltungsleiters übernimmt er, als sein Vorgänger Robert Schwager 2006 in den Ruhestand geht.

Es menschelt bei Kirchens

Die 42 Jahre im kreiskirchlichen Dienst geben Salinga Anlass, auch einmal kritisch zurückzublicken. Die Vereinbarkeit von Glaube und Verwaltung habe er zu Beginn nicht als konfliktbehaftet betrachtet. “Gehst du zur Kirche, da ist alles schön“, sei damals seine Einstellung gewesen, schließlich habe er sich „als Mitarbeiter der Verkündung“ gesehen. Allerdings habe er die Erfahrung machen müssen, dass es auch am Arbeitsplatz in der kirchlichen Verwaltung zwischen Menschen ordentliche Reibungen geben könne. „Auch in der Kirche menschelt es“ lautete einst ein Hinweis des früheren Gladbecker Superintendenten Balthasar von Bremen, „da ist mir ein Licht aufgegangen“ merkt Salinga an.
Als Mitarbeiter der Verwaltung war es ihm in erster Linie wichtig, „Grundlagen zu schaffen, um klare Entscheidungen zu treffen“. In Bezug auf die Veränderungen, die der Kirchenkreis in den letzten Jahrzehnten durchlaufen ist, erklärt er, dass dieser sich damals in einer Phase des Aufbaus befunden habe. Es wurden Kirchen, Kindergärten und Gemeindezentren gebaut, während heute eher das Sparen sowie Kalkulieren im Vordergrund stünden.

Von Ruhe kann nicht die Rede sein

Die bevorstehende Zeit des Ruhestands mit Leben zu füllen, wird Salinga nicht schwer fallen. Die Frage, was er alles in der verfügbaren Freizeit vorhabe, beantwortet er zuerst mit einem fröhlichen Schmunzeln, bevor er die zahlreichen Aktivitäten und Projekte nennt. Er freue sich darauf, den Tagesablauf ruhiger zu gestalten und den Tag damit zu beginnen, „die Zeitung nicht mehr ‚quer‘ sondern gründlich zu lesen“. Vor allem sind es die beiden drei und sechs Jahre alten Enkelkinder, die sich auf mehr Zeit mit ihrem Opa freuen dürfen. Langeweile wird garantiert nicht aufkommen und von Ruhe kann keine Rede sein.

Besonders am Herzen liegt ihm die Vereinsarbeit für das Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck, dessen Gründungs- und Vorstandsmitglied er ist. „Wie kann man Protestantismus nach vorne bringen?“ habe die Ausgangsfrage gelautet, bevor die Idee eines Kulturzentrums 2009 umgesetzt wurde. Ein Schwerpunkt des ehrenamtlichen Engagements liegt in der Organisation von Ausstellungen, Konzerten und Vorträgen, um das kulturelle Erbe der Reformation lebendig und erlebbar zu machen.
Einen festen Platz im neuen Lebensabschnitt wird auch Salingas große Leidenschaft, die Musik, haben. Als begeisterter Blechbläser spielt er aktiv das Euphonium nicht nur in den Posaunenchören der ev.-luth. Kirchengemeinde sowie der ev.-luth. Gebetsgemeinschaft in Gladbeck.

Bei all dem Unternehmungsgeist, mit dem er von seinen Plänen spricht, beantwortet sich die Frage, warum er nicht die 50 Jahre Arbeitsleben „vollgemacht“ habe, wie von selbst. Die Bezeichnung Ruhestand scheint für die neue Phase des Lebens ganz und gar unpassend zu sein. Es ist nachvollziehbar, dass jemand, der etliche Steine ins Rollen gebracht hat, auch weiterhin seine Ideen in die Tat umsetzen will. „Ich freue mich auf den Ruhestand“, sagt Salinga, „aber gar nichts zu machen, kann ich mir nicht vorstellen. Im Gegenteil: ich muss eher aufpassen, dass es nicht in ‚Zuviel‘ ausartet.“

Der Festgottesdienst zum Wechsel in der Verwaltungsleitung findet statt am 5. September, um 10 Uhr in der Evangelischen Altstadtkirche, Heinrich-König-Platz, 45879 Gelsenkirchen.

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