Riesige Unterschiede und überraschende Parallelen

Warum die Ehescheidung in Tansania eine Seltenheit ist

Ein Schaubild zeigte: 75 Prozent der Deutschen vertrauen ihrer Familie, 9 Prozent den christlichen Kirchen und nur ein Prozent den politischen Parteien.

Ein Schaubild zeigte: 75 Prozent der Deutschen vertrauen ihrer Familie, 9 Prozent den christlichen Kirchen und nur ein Prozent den politischen Parteien.

Warum bekommen Evangelische weniger Kinder als der Durchschnitt der Deutschen? Auch um diese Frage ging es in der Gesprächsrunde in Bulmke. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

Warum bekommen Evangelische weniger Kinder als der Durchschnitt der Deutschen? Auch um diese Frage ging es in der Gesprächsrunde in Bulmke. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

GELSENKIRCHEN – Um die Bedeutung der Familie ist es in einer Gesprächsrunde am Donnerstag, 13. Juni, im Rahmen der Partnerschaftsbegegnung Morogoro-Gelsenkirchen gegangen. Die sechs Gäste aus dem Partnerkirchenkreis, ihre Gastgeber und Christiane Wegers als Leiterin der Kindergartengemeinschaft hörten dazu eingangs Impulse von Superintendent Rüdiger Höcker. Er zeigte u.a. das Ergebnis einer Umfrage darüber, wem die Deutschen vertrauen (siehe Foto). Dabei spielt die Familie die wichtigste Rolle.

Eine entsprechende Umfrage gibt es für Tansania nicht. Doch nach dem, was die Gäste zu berichten hatten, mag bei ihnen die Familie noch viel wichtiger sein. Allein im Blick auf die Versorgung und Betreuung der älteren Generation gibt es kaum eine Alternative zu ihr. Dass alte Menschen überhaupt eine Rente beziehen, sagte Bischof Jakob Mameo, etwa als Angestellte der Regierung, ist eine ganz neue Entwicklung. Die meisten haben ihr Leben lang Landwirtschaft betrieben und sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder für sie sorgen, wenn sie es nicht mehr selbst tun können. Erste „camps“ sind im Entstehen für Senioren, die gar keine Familie haben, weitgehend ohne staatliche Förderung. Auch die Kirchen engagieren sich dabei.

Ehescheidungen gibt es in Tansania nur sehr selten. Die deutschen Gesprächspartner kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, als die Gäste schilderten, wie eine Scheidung überhaupt zustande kommen kann. Wer einer Kirche angehört, braucht deren Einwilligung, um sich damit vor Gericht offiziell scheiden lassen zu können. Dorthin ist es ein langer Weg: Erst versuchen Presbyter, den Streit zwischen einem Ehepaar zu schlichten. Sind sie erfolglos, ist der Pastor gefragt. Weiter geht es zum Bischof. Der beruft im Ernstfall einen Ausschuss ein. Wenn alle Gespräche, Sitzungen usw. fruchtlos waren, wird eine Trennung auf Zeit empfohlen. Hilft auch das nicht, entscheidet die Diözese mit der Einwilligung zugleich darüber, welcher Ehepartner die Schuld an der Scheidung trägt – und schließt diesen aus der Kirche aus. Auch wer nicht Mitglied einer Kirche ist, muss nach tansanischem Recht einen ähnlichen Prozess durchlaufen. Dazu gibt es so genannte „Versöhnungskomitees“.

Doch auch in Tansania ist das Familienleben in der Entwicklung. Bis in die 1960er Jahre, so Natujwa Mellau, war die Großfamilie auf dem Lande der Normalfall. Mit der allgemeinen Schulpflicht seit der Unabhängigkeit Tansanias (1962/63) gingen die Kinder in den Städten zur Schule. Inzwischen bilden sich viele über die Grundschule hinaus weiter – und gehen danach dorthin, wo sie Arbeit finden und damit weg von ihrer Familie. „Sie besuchen ihre Großeltern nur noch in den Ferien und es ist manchmal schon schwierig, dafür zu sorgen, dass Cousins und Cousinen sich kennen.“

Alleinerziehende Mütter sind in Tansania keine Seltenheit, erzählte Lunyamadzo Gillah, allerdings weniger aufgrund von Scheidung sondern als Witwen oder weil die Väter sie verlassen haben. Mit den Alleinerziehenden machen die Gemeinden in Morogoro ganz ähnliche Erfahrungen wie die Gemeinden in Gelsenkirchen und Wattenscheid: Sie scheuen sich oft, ihre Kinder taufen zu lassen. Denn die Taufe wird als Familienfest verstanden, so dass der Mangel an einer ‚kompletten‘ Familie hier umso deutlicher wird.

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