Nicht über sie sondern mit ihnen reden

Präses Annette Kurschus hat sich mit Menschen aus dem Kirchenkreis ausgetauscht

Legte viel Wert auf eine persönliche Begegnung von Mensch zu Mensch: Präses Annette Kurschus (5. v.l.) mit Mitgliedern der Hartz-Selbsthilfegruppe sowie mit Arbeitslosenberater Christoph Marschall, Christiane Wegers von der Kindergartengemeinschaft und Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig (v.r.n.l.). FOTO: CO

GELSENKIRCHEN – „Mir geht es um die persönliche Begegnung, ich möchte Erfahrungen aus dem Alltag hören.“ Das sagte Präses Annette Kurschus zu Beginn ihres Besuches im Kreiskirchenamt am 12. Februar. Während des Ortstermins im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid nutze sie die Gelegenheit, sich mit Mitgliedern der Hartz-Selbsthilfegruppe und Müttern von Kindergartenkindern auszutauschen. Die Gesprächsthemen reichten von dem Strukturwandel und den gesellschaftlichen Veränderungen bis hin zur Flüchtlingsproblematik, aber auch Alltagssorgen und individuelle Schicksale ließ sich Präses Kurschus schildern.

Auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren

Was das Besondere an einer Tageseinrichtung für Kinder in Gelsenkirchen und Wattenscheid sei, wollte Kurschus wissen. „Die interkulturelle Gesellschaft stellt uns vor eine große Herausforderung“, nahm Christiane Wegers, Geschäftsführerin der Kindergartengemeinschaft dazu Stellung, und berichtete von Projekten, die gesellschaftliche Veränderungen im Blick haben und auf diese reagieren. Mütter der Kindergartenkinder legten aus Elternsicht dar, wie sie den Kita-Alltag durch ihr Engagement unterstützen und sich bemühen, das Interesse der Elternschaft für eine Teilhabe zu wecken. „Wir versuchen gemeinsam schöne Erlebnisse zu schaffen, aber leider erreichen wir nicht alle“, erklärte eine Mutter. Wegers fügte hinzu, dass es angesichts der vielen Kinder von Flüchtlingsfamilien im Kindergartenalter eine große Aufgabe sei, mit ihnen und ihren durch Kriegserlebnisse traumatisierten Familien umzugehen.

Ein tabuisiertes Thema

Im Gespräch mit den Mitgliedern der Hartz-Selbsthilfegruppe erfuhr Kurschus, was Menschen bewegt, die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sind. Die Gruppe unter der Leitung des Industrie- und Sozialpfarrers Dieter Heisig existiert seit zehn Jahren. Neben der konkreten Beratung und der politischen Arbeit bietet sie ihren Mitgliedern auch Freizeitangebote. „Die Gruppe gibt mir ganz viel Kraft“, erklärte eine Gruppenangehörige. Ein anderes Mitglied schilderte der Präses, wie es sich in dieser Situation fühlt: „Dass wir in der Gesellschaft als Schmarotzer gelten, obwohl es nicht möglich ist, Arbeit zu kriegen, ist das Schlimmste von allem. Das habe ich als entwürdigend empfunden und das Selbstwertgefühl geht dabei schlichtweg kaputt. Es ist ein tabuisiertes Thema, dabei kann es jeden erwischen!“ Im weiteren Verlauf der Begegnung diskutierten die Anwesenden über die Hürden, die es ihnen erschweren, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dabei wurde deutlich, wie sehr die Anwesenden hoffen, von der Politik wahrgenommen zu werden. Zugleich aber wurde klar, dass die Betroffenen ihre Situation aktiv angehen und gestalten, etwa indem sie sich ehrenamtlich engagieren.

Schilderungen aus erster Hand

Sie freuten sich über das Gespräch „mit einer Vertreterin der Kirche, die sich von ganz oben zu uns nach unten begibt und wirklich zuhört, um diese Informationen in der Evangelischen Kirche zu verarbeiten“, so ein Mitglied der Gruppe. Kurschus dankte den Beteiligten für ihre Offenheit: „Ich weiß ehrliche O-Töne zu schätzen. Sie haben mir von ihrem Erleben geschildert und es ist mir wichtig, aus erster Hand zu erfahren, wie ihre Realität aussieht.“ Wenn man den Anspruch habe, für die Menschen da zu sein, müsse man wissen, wer diese Menschen sind. Es sei ihr ein Anliegen, „nicht über sie sondern mit ihnen zu reden“, sagte Kurschus am Ende der Begegnung.

Ein starkes Stück Kirche!

Presbyterinnen und Presbyter erzählen von ihrer Arbeit

Kirche für alle

Paare, die ihre Liebe unter Gottes Segen stellen möchten, sind bei uns willkommen.

Diakonie

Unser Diakoniewerk heilt und berät, hilft und begleitet Menschen durch ihr ganzes Leben. Zwei Krankenhäuser gehören ebenso dazu wie Diakoniestationen und Beratungsdienste.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für Sie da.