Mit besonderem Bezug zur Gegenwart

In Rotthausen nimmt die Passion nach Johannes Gestalt an

Noch fehlen Kulisse, Musik und Kostüme, doch die Gelsenkirchener Laiendarsteller proben mit viel Elan und Engagement für die Passionsspiele im nächsten Jahr. FOTO: FRAUKE HAARDT-RADZIK

Noch fehlen Kulisse, Musik und Kostüme, doch die Gelsenkirchener Laiendarsteller proben mit viel Elan und Engagement für die Passionsspiele im nächsten Jahr. FOTO: FRAUKE HAARDT-RADZIK

GELSENKIRCHEN – Zehn begeisterte Laienspieler bilden an diesem Abend in der Evangelischen Kirche Rotthausen an der Steeler Straße einen großen Kreis im Altarraum und probieren „Tschechischer Chefchemiker“ unfallfrei und in raschem Tempo über die Lippen zu bringen und an den Nachbarn weiterzusagen. Gar nicht so einfach, doch die Freude an solchen Warmmachübungen steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Einige sind bereits Wiederholungstäter, andere, wie die 28-jährige Anna etwa, trauen sich zum ersten Mal auf diese besonderen Theaterbretter. „Ich freue mich auf eine nette Truppe und eine schöne Gemeinschaft. Und die Passion ist im Christentum ja ein wichtiges Ereignis. Ich bin schon gespannt, wie das jetzt umgesetzt wird.“ 40 Neugierige sind den öffentlichen Casting-Aufrufen gefolgt und wollen nun gemeinsam die Leidensgeschichte Jesu, wie sie im Johannesevangelium erzählt wird, auf die Bühne bringen.

Weltbekannt sind Passionsspiele vor allem aus dem katholischen Bayern, genauer gesagt aus Oberammergau, doch auch im Ruhrgebiet gibt es dafür bereits eine kleine Tradition. So fanden 2013 und 2015 schon mal Passionsspiele in Gelsenkirchen statt. Die sollen nun eine Fortsetzung erfahren und dafür wurde jetzt der Schauspieler und Regisseur Ulrich Penquitt angeworben. Unter seiner Regie und Leitung wird es am 7. März nächsten Jahres wieder eine Premiere geben. „Ich hatte in Sachen Johannes-Passion bereits Erfahrungen gesammelt, als ich 2013 für kurze Zeit die Rolle des Johannes übernehmen konnte. Die Passion hat mich ständig begleitet, sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur“, freut sich Penquitt nun auf eine Neuauflage 2020. „Uns war klar, dass wir keine Kopie der aufgeführten Passion zeigen. Denn die vergangenen Jahre haben neue Themen in den Focus gebracht, die 2015 noch Randnotizen waren.“ Flüchtlingskrise, Migration, Integration und kalter Krieg etwa, ebenso wie die urchristlichen Themen Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit sollen die Passionsspiele nun in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Damit die Aufführungen sowohl für das Publikum als auch für die Darsteller zu einem ganz besonderen Ereignis werden, heißt es nun für alle Mitwirkenden üben, üben, üben. 37 Rollen sind von Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 20 bis 82 Jahren zu besetzen. Alle sollten vor allem Spaß am Theater und an dem besonderen Stoff mitbringen. So wie der 70-jährige Klaus zum Beispiel. Er ist schon zum dritten Mal dabei. Diesmal spielt er einen Händler aus der Zeit vor 2000 Jahren. Seine Motivation? „Ich möchte auch mal auf der Bühne stehen, bisher waren wir immer eine Supertruppe. Außerdem bin ich als Presbyter sehr mit der Kirche verbunden und wünsche mir, dass es auch diesmal wieder viele Besucher anlockt und das Haus wieder voll wird!“ Und schon läuft er rasch wieder Richtung Altarraum und vertieft sich ganz in seine Rolle.

Noch üben alle ohne Kulisse, Musik und Kostüme, doch mit der notwendigen Fantasie nehmen die Gelsenkirchener Passionsspiele nicht nur bei den begeisterten Laienschauspielern allmählich vor dem inneren Auge Gestalt an.

„Wir sind hier nicht in Ammergau, aber wir versuchen, eine eigene Tradition im Ruhrgebiet mit besonderem Bezug zu Gelsenkirchen aufzubauen“, freut sich auch Regisseur Ulrich Penquitt sowohl auf die kommenden Proben als auch die zehn Aufführungen im nächsten Jahr.

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