Inspiration aus dem Himmel

Ein Bericht von den Dreharbeiten zum ersten Video-Clip des Kirchenkreises

Als Kulisse abgelehnt: die Tür.

Als Kulisse abgelehnt: die Tür.

Als Kulisse ausgewählt: das Schild. Aber die Martinikirche musste weg. FOTOS: CORNELIA FISCHER

Als Kulisse ausgewählt: das Schild. Aber die Martinikirche musste weg. FOTOS: CORNELIA FISCHER

Und so sieht es dann im Video aus. Etwas mehr Dynamik in der Kameraführung hätte nicht geschadet.

Und so sieht es dann im Video aus. Etwas mehr Dynamik in der Kameraführung hätte nicht geschadet.

GELSENKIRCHEN – Zum Osterfest 2020 gab es erstmals einen kurzen Film mit dem Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid auf Youtube. Pfarrerin Katharina Blätgen vom Öffentlichkeitsreferat erzählt, wie er entstanden ist.


Mein erstes Meisterwerk

Zugegeben, ich war sowas von naiv. Als zu Beginn des Corona-Shutdowns die ersten Video-Andachten aus den kirchengemeindlichen Böden sprossen, da dachte ich: Okay, das schaffen wir auch, bloß kürzer. Ich halte mein Smartphone 150 Sekunden lang still, derweil spricht Superintendent Heiner Montanus ein paar schöne Worte. Dabei sitzt er einfach entspannt vor einer weißen Wand und wirft immer mal einen Blick auf seinen Text. Dann muss ich vielleicht vorne und hinten noch was abschneiden und eben noch lernen, wie ich das ins Internet stelle. Fertig.

Ich komme mir nahezu perfekt vorbereitet vor, als das eilig bestellte Ansteckmikrofon eintrifft, inklusive 3 Metern Leine für den Chef, vollkommen ausreichend für den gebotenen Corona-Abstand. Das Filmschneiden hatte ich auch schon geübt und erfolgreich mein erstes Meisterwerk (mitreißende Schwenks über unseren Garten mit Kommentaren wie „diese Rose heißt Gloria Dei“) auf Youtube hochgeladen.


Eine Kirche verschwindet

Von wegen gut vorbereitet. Nein, der Superintendent will nicht sitzen und ablesen. Er will stehen – und zwar ablesen, aber so, dass es keiner merkt. Als Hintergrund schlägt er eine Tür vor, weil die Türen jetzt alle geschlossen sind. Ich finde die Tür öde. Wir einigen uns auf das wunderbar altmodische Gottesdienst-Hinweisschild, wie es aus dem Stadtbild fast ganz verschwunden ist. Es hängt tatsächlich in seinem Büro und ist nicht geklaut, sondern geschenkt. Problem: Unten dran hängt noch ein zweites Schild: „Martinikirche“ steht drauf. Wir nehmen die Konstruktion von der Wand und versuchen, die Siegener Kirche, die in Gelsenkirchen rein gar nichts zu suchen hat, abzuschrauben. Die Schrauben sind mit bloßen Fingern nicht zu packen. Ich: „Ich habe einen Knarrenkasten in meinem Büro.“ Montanus: „Da stellt sich spontan die Frage: Warum?“ Das weiß ich auch nicht mehr, aber ich hole ihn. Die Knarre knarrt, die Schrauben drehen durch, sie sind total verrostet. Aber, AHA, sie lockern sich wenigstens so weit, dass wir die anstößige Kirche nach hinten klappen können. So steht das Schild zwar jetzt ein bisschen von der Wand ab, aber wir sind zufrieden.


Ein Smartphone nimmt zu

Nun pappen wir den Sprechtext in 125 Punkt Größe an die gegenüberliegende Wand. Ja, der Superintendent hat sich ebenfalls gründlich vorbereitet, den Text nicht nur verfasst, sondern auch im Format A3 ausgedruckt und sogar sein Kamerastativ mitgebracht – was sich als extrem vorausschauend erweist, denn siehe da: in zweieinhalb Minuten nimmt mein Smartphone zweieinhalb Kilo zu – jedenfalls, wenn ich es ruhig halten will.

Fast fertig: Mit Klebeband befestigen wir meine „Kamera“ am artfremden Stativ. Auf „Aufnahme“ klicken, ein wenig heranzoomen, los geht’s. Wir machen drei Durchläufe. „Super“, denke ich noch, „ich brauche ja gar nicht viel zu machen. Den Stress hat Heiner, weil er den Text immer wieder überzeugend rüberbringen muss.“


Röntgenblick verzweifelt gesucht!

Frohgemut fahre ich nach Hause und kopiere die drei Aufnahmen auf meinen Rechner. Der große Bildschirm beschert mir einen Schreck in der Abendstunde: Da steht der Superintendent – und holt sich seine Inspiration offenbar direkt aus dem Himmel. Direkt in die Kamera guckt er nur selten. Wie alle (Ehe-)Männer weiß auch meiner sofort, was ich falsch gemacht habe. „Du hättest die Textblätter auf Augenhöhe anbringen müssen.“ Sehr gewitzt. Selbst ein leitender Geistlicher hat keinen Röntgenblick. Wie soll er durch Stativ und Smartphone hindurch den Text an der Wand dahinter lesen? Die Nachtruhe verdient diesen Namen nicht wirklich.


Neuer Tag – neue Idee

Ein neuer Tag bricht an und als ich an den Tatort zurückkehre, steht ein Eimer mit dem Loch nach unten auf dem superintendentlichen Schreibtisch. „Halte mal bitte den Eimer fest“, lautet die höfliche Dienstanweisung für heute. „Dann hebe ich den Bildschirm oben drauf.“ Hört sich gewagt an, ist aber fast genial. Die neue Versuchsanordnung: PC mit dem Text auf dem Eimer (besser als im Eimer), dahinter das Stativ, so hoch, dass das angeklebte Smartphone gerade eben über den Rand des Bildschirms linst. Nun muss ich nach dem Drücken des Aufnahmeknopfes nur noch um die ganze Konstruktion herumrennen und mit der Maus den Text herunterscrollen, möglichst ohne den Lesefluss des Hauptdarstellers zu stören: Teleprompter für Arme.


Es werde Licht!

Doch halt, heute stimmt das Licht nicht. Die Sonne lacht – bis zum Gottesdienstschild. Montanus und der Rest der Wand versinken in Dunkelheit. Die Deckenlampe kommt dagegen nicht an, aber so schnell geben wir nicht klein bei. Montanus: „In einem Büro auf unserer Etage gibt es eine superhelle Stehlampe.“. Und da er auch über einen Generalschlüssel verfügt, ist die Lampe schnell herbeigeschafft. Leider ist das Kabel ein wenig kurz geraten. Nachdem sich eine Verlängerungsschnur aus den Schranktiefen im Vorzimmer als schrottreif erweist, bringe ich aus dem Öffentlichkeitsreferat zwei aneinandergehängte Mehrfachsteckdosenleisten (warum haben diese Dinger immer höchstens eine 20-cm-Leine?) herbei: „Sieht komisch aus, aber wir betreiben damit unsere Kaffeemaschine.“ Auch die Lampe ist zutraulich und leuchtet mit gefühlten 10.000 Lumen. Damit sie das dort tut, wo die Musik spielt, müssen wir sie bloß noch über eine Stuhllehne kippen. „Rutscht die auch nicht weg?“ Nachdem ich weiß, was das Teil gekostet hat, bin ich besorgt. „Nein, das hält!“ Der Chef kennt sich eben aus – und behält Recht.


Großartiges in Heimarbeit

Zugegeben: ich war naiv. Und das Ergebnis ist wohl noch nichts für die Geschichtsbücher. Und doch: Ein kleiner Schritt für die Menschheit – ein großer für den Kirchenkreis. Herzliche Grüße an alle, die jetzt über Filmschnitten brüten, die fünfte Version ihrer Audio-Andacht zusammenstellen, ihren ersten Vorspann erstellen oder sich fragen, wie das auf ihrer Homepage besser aussehen könnte. Es passieren großartige Sachen derzeit – nicht nur im Web, auch an Wäscheleinen, in Schaukästen, auf Balkonen oder schlicht am Telefon.

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