In sechs Jahren von 50 auf 500

Pfarrerin Rhoda Chamshama erzählt, warum Gemeinden in Morogoro wirklich wachsen

Pfarrerin Rhoda Chamshama hat am Sonntag, 1. September, in der Thomaskirche die Predigt gehalten. Nächsten Sonntag ist sie in Wattenscheid-Günnigfeld zu Gast. FOTO: CORNELIA FISCHER

Pfarrerin Rhoda Chamshama hat am Sonntag, 1. September, in der Thomaskirche die Predigt gehalten. Nächsten Sonntag ist sie in Wattenscheid-Günnigfeld zu Gast. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN/WATTENSCHEID – An zwei Wochenenden ist Pfarrerin Rhoda Chamshama derzeit in Gelsenkirchen und Wattenscheid. Dazwischen nimmt sie vom 1. bis zum 6. September an einem Internationalen Seminar in Düsseldorf teil. Dort leitet sie den Workshop zum Thema „Konflikte in der Seelsorgearbeit im kulturellen und religiösen Kontext von Tansania“.

Um was für Konflikte geht es dabei konkret? Und schon sind wir mittendrin in der Arbeit einer Gemeindepfarrerin im Kirchendistrikt Morogoro: „Ein Ehepaar kam zu mir und wollte sich scheiden lassen. Der Grund: Sie bekamen keine Kinder. Ich habe sie an ihr Eheversprechen erinnert und versucht, ihnen zu zeigen, dass Gott vielleicht andere Pläne mit ihnen hat. Später erfuhr ich dann, dass sie auf den Gräbern ihrer Vorfahren getanzt hatten – in der Hoffnung, den ersehnten Nachwuchs auf diese Weise herbei zu zaubern. Solche Konflikte gibt es immer wieder. Auch junge Menschen fühlen sich hin- und hergerissen zwischen den alten Ritualen der Volksstämme und den Überzeugungen des christlichen Glaubens.“


Abends in Afrika

Als Rhoda Chamshama 2003 ordiniert wurde, war sie die erste Pfarrerin in Morogoro – und schlug damit auch in der Partnerschaft zwischen den Kirchenkreisen Morogoro/Tansania und Gelsenkirchen und Wattenscheid ein neues Kapitel auf. Von dem Besuch eines Konfi-Camps in der Freizeitstätte Gahlen war sie so entzückt, dass sie sich sagte: „Tolle Idee, das mache ich auch!“ Von den unvorstellbar schwierigeren Bedingungen daheim ließ sie sich nicht abschrecken. Im „Lutheran Seminary“ kamen 200 Jugendliche für vier Tage zusammen. Die Teilnahme kostete pro Person 20.000 Tansania-Shillings, das sind umgerechnet 10 Euro. „Die Kinder waren total begeistert und wollten länger bleiben“, berichtet sie mit leuchtenden Augen.

Von 2012 bis 2018 war Chamshama Pfarrerin in Mjiwema. In dieser Zeit ist die Gemeinde von 50 auf 500 Mitglieder gewachsen. Ja, ist es denn tatsächlich so, dass ‚die Afrikaner‘ abends, wenn es dunkel ist, nichts anderes tun als Kinder machen? Chamshama lächelt: „Wer das glaubt, kann gerne mal zu uns nach Morogoro kommen und sich selbst ein Bild machen.“ Tatsächlich war Mjiwema 2012 weitgehend Farmland und wurde dann zunehmend als Bauland ausgewiesen. Neue Häuser entstanden, Familien zogen ein. „Es gibt auch elektrisches Licht und Fernsehen“, berichtet die Pfarrerin augenzwinkernd, „und nur wenige kochen noch auf Holzkohlenfeuern. Die neuen Häuser haben Gasherde.“


Familien werden kleiner

Überhaupt, die Größe der Familien habe sich in sehr kurzer Zeit deutlich verändert. „In der Generation meiner Großeltern gab es durchaus noch acht bis zehn Kinder. Bei meinen Eltern waren es schon eher sechs bis acht – und das Bewusstsein wuchs, dass die Kinder eine Ausbildung brauchen. Heute haben die meisten Ehepaare nur noch zwei bis vier Kinder, denn eine gute Ausbildung kostet viel Geld.“

Am 1. September hat Pfarrerin Chamshama bereits in zwei Gottesdiensten die Predigt gehalten: In der Dreifaltigkeitskirche und der Thomaskirche in GE-Erle. Wenn sie aus Düsseldorf zurückkommt, wird sie in Wattenscheid-Günnigfeld zu Gast sein. Wer Rhoda Chamshama kennenlernen möchte, kommt am Sonntag, 8. September, um 10 Uhr in die Christus-Kirche, Parkallee 18, 44866 Bochum-Wattenscheid. Der Festgottesdienst bildet den Auftakt zum Günnigfelder Gemeindefest.

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