Im Spotlight der Reformation

Die Reformation war auch eine Geschichte von Spaltung, Flucht, Vertreibung, Demokratie und Menschlichkeit

Nach dem „Scheinwerfer-Gottesdienst“ gaben (von links) Tamara Buslova, Benjamin Nachbar und Günther Wiesemann die Konzert-Matinee „Ein feste Burg“. PHOTO: CORNELIA FISCHER

Nach dem „Scheinwerfer-Gottesdienst“ gaben (von links) Tamara Buslova, Benjamin Nachbar und Günther Wiesemann die Konzert-Matinee „Ein feste Burg“. PHOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Im Juni „beleuchtete“ eine Serie aus fünf „Scheinwerfer-Gottesdiensten“ in der Christuskirche Buer-Beckhausen verschiedene Facetten der Reformation. Die Prediger ließen die Gemeinde an dem teilhaben, was ihnen daran besonders wichtig ist. Im dritten Gottesdienst dieser Serie stellte Dr. Klaus Hoffmann seine Gedanken zu dem europäischen Ereignis Reformation dar: „Mit ihr begann die Zeit des Pluralismus und der Toleranz. Das hört sich nach einer Erfolgsgeschichte an. Aber sie war natürlich auch eine Geschichte der Spaltung. Nicht nur zwischen Protestanten und Katholiken, sondern auch innerhalb der evangelischen Kirche. Luther und Zwingli hatten sich 1529 rettungslos zerstritten. Erst 1973 wurde diese Spaltung überwunden. Ist das eine Erfolgsgeschichte?“

Luther habe das neue Verständnis des gnädigen Gottes entdeckt, der den Menschen eben nicht als verlorenen Sünder entlarven und verdammen will. „Das eigentlich keine neue Sicht ist, sondern das ganz alte, biblische Verständnis.“ Eng damit verbunden sei die Entdeckung der christlichen Freiheit: „Luther verstand darunter in erster Linie die innere Freiheit des Christen, Zwingli eher die Freiheit des Menschen von der kirchlichen Bevormundung – am deutlichsten erkennbar an dem Wurstessen in der Karwoche.“

Im Gegensatz zu der ländlichen Heimat Luthers, wo meist die Landesfürsten die Reformation „von oben“ durchsetzten, war die Schweiz schon damals eine städtisch geprägte Republik. „Calvin setzte die Reformation in Genf ‚von unten‘ durch. Das war eine demokratische Leistung und sehr von Recht, Gerechtigkeit und Menschlichkeit geprägt.“

In der danach folgenden Pause konnte die Gemeinde sich bei dem von Christina Wienroth gespielten Choral „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ von Dietrich Buxtehude „erholen“, wie Hoffmann selbst sagte. In der Fortsetzung seiner Predigt machte er darauf aufmerksam, dass die Reformation auch eine Verfolgungs- und Flüchtlingsgeschichte war: „In Salzburg wurden die Anhänger des Reformators Josef Schaitberger verfolgt. Noch heute gibt es in den Alpen geheime evangelische Gebetsstätten. Aus Frankreich wurden die Hugenotten vertrieben. Die Stadt Genf bestand zeitweise zur Hälfte aus Glaubensflüchtlingen. Damals gab es Diskussionen, die für uns heute alltäglich sind. Die Reformatoren um Calvin leisteten große Integrationsarbeit.“

Alle Reformatoren verfolgten Andersglaubende. Der schwarze Fleck auf Luthers Weste sei seine Judenfeindlichkeit: „Er glaubte, dass seine Neuentdeckung der Heilsgeschichte auch die Juden überzeugen müsse, dass Jesus auch ihr Heiland sei. In der NS-Zeit galt Luther als idealtypischer Arier und erster Nationalsozialist, weil er dazu aufrief, die Juden zu vertreiben und Synagogen zu verbrennen.“

Am Ende erinnerte Hoffmann an die heutige Bedeutung reformatorischer Gedanken: „Umdenken ist gefordert. Der Wert des Menschen gilt, nicht die Verwertbarkeit. Die Reformatoren dachten grenzüberschreitend, das brauchen auch wir in Zeiten des zunehmenden Nationalismus und Fundamentalismus. Karl Barth sagte, als die Schweiz in den 30er Jahren ihre Grenze für jüdische Flüchtlinge schloss: ‚An unseren Grenzen wird sich die Frage unserer Humanität entscheiden.‘“

An den Gottesdienst schloss sich eine Konzertmatinee mit dem Titel „Ein feste Burg“ an. Günther Wiesemann (Orgel und Schlaginstrumente), Benjamin Nachbar (Violine und Viola) und Tamara Buslova (Orgel und Schlaginstrumente) führten Werke vom 16. bis zum 21. Jahrhundert auf – darunter ein Vivaldi-Violinkonzert, eine Bearbeitung des Bauernkriegs-Gedenkliedes „Es ging ein Landsknecht über Feld“ und zwei experimentelle Eigenkompositionen von Wiesemann.

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