Für Gott, Allah und stille Pausen

Die Kapelle der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen

Ungewöhnliche Architektur und besondere Lernkonzepte: Die Evangelische Gesamtschule in Gelsenkirchen-Bismarck.

Ungewöhnliche Architektur und besondere Lernkonzepte: Die Evangelische Gesamtschule in Gelsenkirchen-Bismarck.

Lehrerin Silke Meinker bietet in der „Stillen Pause“ Klangschalenmeditation und Phantasiereisen an.

Lehrerin Silke Meinker bietet in der „Stillen Pause“ Klangschalenmeditation und Phantasiereisen an.

Die Zwillingschwestern Vivian (liegend) und Lena mögen diese Klangschalen-Massage besonders gern. FOTOS: FRAUKE HAARDT-RADZIK

Die Zwillingschwestern Vivian (liegend) und Lena mögen diese Klangschalen-Massage besonders gern. FOTOS: FRAUKE HAARDT-RADZIK

GELSENKIRCHEN – Grün getünchte Wände, eine eher schlichte Einrichtung, ein glänzender Parkettboden und ein geradezu mystischer Lichtkegel, der in den Raum der Schulkapelle fällt. Auf den Meditationsmatten sitzen oder liegen mit dem zurzeit notwendigen Abstand einige Schülerinnen und lauschen dem Klang der Schalen. Auch Silke Meinker, Klassenlehrerin der 5. Jahrgangsstufe, genießt es, statt die Pause im Lehrerzimmer zu verbringen, hier einmal pro Woche in die ruhige meditative Stimmung einzutauchen. „Ich komme oft aus der allgemeinen Hektik hierher und bin dann, wenn ich die Meditationsschalen erklingen lasse, selbst hinterher ganz ruhig und entspannt. Das hier ist ein religiöser Ort, ein toller Ort, ihn auch so zu nutzen!“


Phantasiereisen nach dem Mittagessen

„Stille Pause“ nennt sich das Projekt, das vor drei Jahren von Lehrerinnen, gemeinsam mit Schulpfarrerin Britta Möhring, ins Leben gerufen wurde. Gleich nach dem Mittagessen versammeln sich an vier Schultagen in der Woche christliche und muslimische Jungen und Mädchen in der Schulkapelle. Ein offenes Angebot, an dem jede und jeder teilnehmen kann, egal, welcher Religion er oder sie angehört.

„Hier treffen sich alle, die dazu Lust haben. Viele legen sich auf die Matte, andere sitzen lieber und dann schlägt eine Lehrerin die Klangschalen an und manchmal gibt es auch tolle Phantasiereisen“, freut sich die 11-jährige Sophie schon aufs nächste Treffen.


Es vibriert im ganzen Körper

Auf der Matte neben ihr räkelt sich tief entspannt die ebenfalls 11-jährige Lena. Die Ruhe und der besondere Klang der Meditationsschalen führen bei ihr auch schon mal dazu, dass sie in dieser besonderen Pause selig einschläft. Ihre Zwillingsschwester Vivian nutzt die Ruhe und Stille gern auch vor Arbeiten, um sich dann besser konzentrieren zu können. Gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern haben sie auch schon mal selbst Meditationen für die Lehrkräfte der Schule ausgearbeitet. Eine besondere Klangschalen-Massage mögen die beiden Mädchen besonders gern. Vivian legt sich dafür auf die Matte und Lena schlägt eine Klangschale an, die auf dem Rücken ihrer Schwester liegt. „Das ist toll, es beginnt überall im Körper zu vibrieren“, genießt Vivian die dabei entstehenden Schwingungen.


Christliche und muslimische Schulgottesdienste

Noch ganz andere Auswirkungen der „Stillen Pause“ hat Mitschülerin Antonia bei sich festgestellt: „Normalerweise streite ich mich mit meiner kleinen Schwester ständig. Doch durch das Meditieren und die Entspannung ist das gar nicht mehr so. Wenn ich hier hineinkomme, gehe ich in den Raum der Ruhe und des Friedens!“

Und immer noch und eigentlich ist es die Schulkapelle der Evangelischen Gesamtschule, in der Gottesdienste gefeiert werden, aber vier Mal pro Jahr auch muslimische Andachten. Das gefällt der 15-jährigen Azra ganz besonders. „Wenn die Schulgottesdienste stattfinden, versammeln sich die etwa 120 christlichen Schülerinnen und Schüler im Theaterraum, wir muslimischen Jungen und Mädchen nutzen dann zeitgleich die Kapelle für unseren islamischen Gottesdienst.“ Dafür kommt ein Hodscha zur Schule, er betet mit den etwa 30 Schülern und redet mit ihnen über aktuelle Themen.


Alles auf Deutsch

„Ich finde, es ist nicht so wichtig, wo wir uns treffen. Mir gefällt an dieser Schule, dass wir hier auch unsere Religion leben können. Das gibt es wohl an keiner anderen Schule, dass ein Hodscha kommt und wir hier unseren Gottesdienst feiern können.“ Jungen und Mädchen sitzen dabei gemeinsam im Raum, beten gemeinsam das Bittgebet. „Der Raum hier gefällt mir, wir müssen hier enger zusammen rücken, dadurch können wir auch gut miteinander reden“, stellt Azra dazu fest. Und, auch das ist wichtig, der muslimische Gottesdienst findet durchgehend in deutscher Sprache statt.


Jugend-Hodscha aus Bismarck

„Dafür konnten wir in letzter Zeit einen jungen Hodscha aus dem Stadtteil Bismarck gewinnen“, freut sich Pfarrerin Möhring. „Er ist als Imam hauptsächlich für die Jugend zuständig. Er sagt, dass es ihm gar nichts ausmacht, dass da ein Kreuz an der Wand der Kapelle hängt und dass es die einzige Schule ist, wo solch ein islamischer Gottesdienst stattfinden kann.“

Britta Möhring ist seit sieben Jahren an der Gesamtschule tätig und auch sie stellt fest: „Die Kapelle ist so ein toller Raum. Und es bleibt ja die christliche Kapelle, auch wenn hier Meditationen wie in der „Stillen Pause“ oder muslimische Andachten stattfinden.“

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