Eine Geschichte von Lebensmut und Verständigung

Superintendent Heiner Montanus, Pfarrerin Antje Röckemann und Erzieherin Doris Weiß fassen das Fest in Worte

(v.l.:) Pfarrerin Antje Röckemann, Superintendent Heiner Montanus und Erzieherin Doris Weiß zeigen verschiedene Materialien, die das Pfingstfest erfahrbar machen. Montanus und Weiß halten ein Pfingstparament in der liturgischen Farbe rot in die Höhe. Paramente sind aufwendig hergestellte Schmuckteppiche, der vor Altar und Kanzel hängen. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN UND WATTENSCHEID – Warum feiern wir eigentlich Pfingsten? Kaum jemand kann diese Frage für sich beantworten, obwohl das Pfingstfest zu den drei großen Feiertagen gehört, die in Deutschland zweitägig gefeiert werden. Weihnachten ist leicht zugänglich: Jesus wird geboren und wir feiern dieses freudige Ereignis. Ostern: Jesus steht auf von den Toten. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass das Leben mit dem Tod nicht vorbei ist. Was aber genau feiern wir an Pfingsten? Davon wird im Neuen Testament, Apostelgeschichte, Kapitel 2 erzählt. Es scheint schon damals eine verrückte Geschichte gewesen zu sein: Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt werden – das klingt abstrakt, dabei wird der Versuch gemacht, etwas Unbeschreibliches in Worte zu fassen.

Superintendent Heiner Montanus, Pfarrerin Antje Röckemann und Doris Weiß, Erzieherin und Leiterin des Evangelischen Familienzentrums Harkortstraße in Wattenscheid, stellen sich der Aufgabe, Pfingsten zu erklären und für große wie kleine Menschen „greifbar“ zu machen. „Pfingsten, das ist zunächst einmal eine Zahl“, sagt Superintendent Montanus. „Pfingsten stammt vom griechischen Wort pentecosté, und bedeutet 50. Tag nach Ostern. Und die einfachste Erklärung ist, dass Gott Menschen begeistert.“ Das besondere an der Geschichte sei, dass sie Menschen in einer Situation zeige, die einem in der Stadt Gelsenkirchen bekannt vorkommt: Die Einwohner Jerusalems kamen aus allen Ländern der damals bekannten Welt. „Es treffen Menschen aus verschiedenen Ländern aufeinander, die unterschiedliche Sprachen sprechen, sich dann aber verstehen können. Das zeigt, dass Gott es mit genau solch unterschiedlichen Menschen zu tun haben will. Das macht die Geschichte so aktuell“, betont Montanus.

Aus ihrem Berufsalltag als Erzieherin kennt Doris Weiß die Schwierigkeit, die Pfingstgeschichte für Kinder sowie für Eltern nachvollziehbar zu machen. „Pfingsten ist ein guter Zeitpunkt, um mit Kindern das Thema Mut anzusprechen“, findet sie. Mit verschiedenen Lernmaterialien bringen sie und ihre Mitarbeitenden den Kindern die Pfingstgeschichte und das, was davor geschah, nahe: Jesus wurde hingerichtet und nach seiner Auferstehung von den Toten und seiner Himmelfahrt sind seine Anhänger auf sich gestellt. Sie fühlen sich allein gelassen und haben Angst. Welches Schicksal erwartet sie, wenn sie der Welt von ihrem Glauben erzählen?

Anhand von Holzelementen, die ein geschlossenes Haus bilden und in dessen Mitte Teelichter stehen, wird die Pfingstgeschichte lebendig. Sie erzählt von den Jüngern, die in einem Haus zusammensitzen. Werden die Holzsteinchen verschoben, öffnet sich das Haus. „Darin wird es plötzlich so windig, dass es regelrecht tost und braust. Die Kinder stellen den Wind mit wedelnden Tüchern nach. Dann geht eine Tür auf und es kommt Licht hinein“, erklärt Weiß. Die Jünger sehen „Zungen, wie von Feuer, die sich zerteilen“ und sich auf ihnen niederlassen. Sie werden vom Heiligen Geist erfüllt, gehen hinaus auf die Straßen und beginnen, frei heraus zu reden. Die Menschen hören zu und stellen erstaunt fest, wie sie in ihren Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Weiß betont: „Wichtig ist, dass man den Kindern dieses Pfingstwunder visualisiert und sie emotional mitnimmt. So können sie nachspüren, wie unter den Menschen die Begeisterung umging und wie mutig die Jünger waren, ihre Botschaft in die Welt hinaus zu tragen.“ Zum Schluss werde die Geschichte auf das Leben angewendet. Die Kinder dürfen erzählen, wann sie zuletzt mutig waren oder wie sie Hürden überwunden haben.

Pfarrerin Antje Röckemann definiert ebenfalls Mut und Verständigung als zentrale Elemente der Pfingstgeschichte: „Dabei geht es nicht nur um die Verständigung zwischen Gott und den Menschen, sondern auch um den guten Draht der Menschen untereinander.“ Sie spricht aus Erfahrung, denn durch ihre Kurse mit zugewanderten Frauen im Projekt MIRA hat sie Kontakt zu Frauen aus verschiedenen Nationen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und sich in der Verständigung auf Deutsch verbessern wollen. „Es ist spannend zu sehen, wie Verständigung auch jenseits von Worten geht, wenn ich wirklich gut zuhören und mich auf mein Gegenüber einlassen kann. Es geht auch darum, Mut zu bekommen, Ängste für eine Zeit zu vergessen und in Kontakt zu kommen. An Pfingsten verbindet sich wirklich Lebensmut mit Verständigung über Grenzen hinweg.“

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