Ein vielstimmiges Monument

Die bewegende Aufführung von Bachs Matthäus-Passion lockte viele Zuhörer in die Nicolai-Kirche

Kreiskirchenmusikdirektor Andreas Fröhling dirigierte drei Chöre, sechs Gesangssolisten und zwei Orchester.

Kreiskirchenmusikdirektor Andreas Fröhling dirigierte drei Chöre, sechs Gesangssolisten und zwei Orchester.

Die Matthäus-Passion ist als längstes und aufwändigstes Kirchenmusikwerk Bachs nur selten zu hören. In diesem Jahr gab es in Ückendorf eine Gelegenheit.

Die Matthäus-Passion ist als längstes und aufwändigstes Kirchenmusikwerk Bachs nur selten zu hören. In diesem Jahr gab es in Ückendorf eine Gelegenheit. FOTOS: M. WIESCHER

GELSENKIRCHEN – Sie gilt als ein Monument der christlichen Chormusik und als die bedeutendste Komposition, die die Leidensgeschichte Jesu zum Thema hat: Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Am Karfreitag 1729 unter Leitung des Komponisten uraufgeführt, erklang sie genau in der Mitte der diesjährigen Passionszeit in der Nicolai-Kirche Ückendorf. Der Doppelchor, zusammengesetzt aus der Kantorei der Nicolai-Kirche und dem Städtischen Musikverein, passte an diesem Sonntagnachmittag gerade in den Altarraum. Die mehr als 70 Sängerinnen und Sänger wurden unterstützt von den etwa 40 Jugendlichen der Singschule der Petrikirche Mülheim und den 30 Mitgliedern des Folkwang-Kammerorchesters Essen. Kirchenmusikdirektor Andreas Fröhling leitete diese Aufführung der längsten Komposition aus Bachs Feder.

„Die Geschichte von Jesu Passion ist die Geschichte einer Hetzjagd auf einen Unschuldigen, der gefoltert und ermordet wurde, weil er sich für den Frieden einsetzte“, erklärte Fröhling dem Publikum in der komplett gefüllten Nicolai-Kirche, „Diese Erzählung soll uns dafür sensibilisieren, dass derartige Feindbilder in unserer Gesellschaft nichts, aber auch gar nichts zu suchen haben.“

Die biblische Geschichte hat der Komponist in voller Länge vertont, von dem Moment an, in dem Jesus seinen Jüngern zum ersten Mal seinen Tod ankündigt, bis zu seiner Beerdigung (Matthäus 26 u. 27). Mit verteilten Rollen wurde die Geschichte gesungen – aufgeteilt auf den Evangelisten (Tobias Glagau), Jesus (Christoph Lahme), Petrus, Judas, den Hohepriester Kaiphas, Pilatus (Hagen-Goar Bornmann) und den Chor. Die übrigen Rollen sangen Laura Kriese, Sara Bodemann, Luzia Ernst, Felix Schmidt, Jens-Martin Ludwig und Robert Hogrebe. Die insgesamt weit über 100 Gesangsstimmen sorgten für viel Klangfülle und ließen das Publikum die Kraft in dieser Geschichte unmittelbar erleben – eine mehr als beachtliche Leistung, zumal die Chöre komplett aus Laien bestanden und nur knapp drei Monate Vorbereitungszeit hatten.

Der Bibeltext wechselte sich mit frei gedichteten Arien ab, die die Geschichte kommentierten und auslegten. In einigen der Arien brillierte Heike Sierks mit der Gambe, einem sehr seltenen Streichinstrument, für das Bach gern Soloparts schrieb, obwohl es eigentlich sogar zu seiner Zeit schon veraltet war. In insgesamt 13 Chorälen brachte der Chor mal Verärgerung über Judas‘ Verrat, mal Schuldbewusstsein und mal bedingungsloses Vertrauen in Gottes Willen und Wege gleichsam im Namen des Publikums zum Ausdruck.

Alle Mitwirkenden bewiesen eine enorme Ausdauer und hielten ihr hohes Niveau bis zum Schluss. So wurde das Publikum dafür, dass es das dreieinhalbstündige Konzert durchhielt, mit einer eindrucksvollen Darbietung des Schlusschores belohnt. Eine Mischung aus Trauer über Jesu Tod und der Gewissheit, dem eigenen Tod ohne Angst entgegensehen zu können, beschloss Bachs längstes Werk.

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