Ein sehr komplexes System

Anna Püllen ist Vikarin in Gelsenkirchen-Bismarck

Vikarin Anna Püllen macht das Unterrichten Freude. Den Katechumenenunterricht hält sie derzeit im Altarraum der Bismarcker Christuskirche. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Wenn Anna Püllen sich gemeinsam mit anderen auf das nächste Examen vorbereiten will, dann muss sie ganz schön weit fahren. In Bochum gibt es keine, in Herne auch nicht. Dortmund, Witten, Recklinghausen – überall Fehlanzeige. Im gesamten westfälischen Ruhrgebiet ist sie die Einzige, die am 1. April dieses Jahres als Vikarin angefangen hat.

In der westfälischen Landeskirche haben im Jahr 2009 ganze elf Vikarinnen und Vikare ihre zweieinhalbjährige praktische Ausbildung zum Pfarramt begonnen: sechs am 1. April und fünf am 1. Oktober. Zum Vergleich: In den 1980ern wurden jährlich rund 120 junge Menschen nach dem ersten theologischen Examen in den so genannten „Vorbereitungsdienst“ übernommen.

Der Berufswunsch „Pfarrerin“ ist bei Anna Püllen erst im Studium entstanden. Zunächst studierte sie Sonderpädagogik mit den Fächern Geschichte, Deutsch und evangelische Theologie. „Doch im Studium hat mich die Theologie gepackt. Da war Kritikfähigkeit und logisches Denken gefragt. Ich konnte mich richtig einbringen und auf diese Weise die Inhalte auch für mich persönlich annehmen.“ Ein Praktikum in der Kirchengemeinde Billerbeck bei Pfarrerin Renate Langenheder gab den Ausschlag. Anna Püllen wechselte von der Universität Dortmund nach Bochum und studierte Evangelische Theologie für das Pfarramt.

Nicht nur die Anzahl der Auszubildenden, sondern auch die Ausbildung selbst hat sich grundlegend verändert. Das Vikariat beginnt heute mit drei Monaten an der Schule. „Das finde ich auch ganz gut“, so Püllen, „denn so ist mehr Zeit für die kontinuierliche Arbeit in der Gemeinde.“ Den dreimonatigen Seelsorgekurs gibt es nicht mehr. Dafür geht Püllen jeden Freitagvormittag in die Evangelischen Kliniken, macht Krankenbesuche und reflektiert die Praxis mit Krankenhausseelsorger Klaus Bombosch.

Das Predigerseminar findet in Blöcken von jeweils zwei bis drei Wochen im Quartal in Wuppertal statt. Die rheinische und die westfälische Kirche haben sich hier zusammengetan, dazu kommen noch zwei aus der reformierten Kirche und zwei aus der bremischen Kirche, so dass der Kurs aus 19 Personen besteht.

Für das Gemeindevikariat hat Anna Püllen ganz bewusst die Kirchengemeinde Bismarck gewählt. „Ich finde es spannend, den Prozess des Zusammenwachsens von vier Ortsgemeinden mitzuerleben“, sagt sie dazu. „Dabei kann ich bestimmt eine Menge über die Strukturen lernen.“ Gemeinsam mit Pfarrer Dieter Eilert macht sie nun die ersten Schritte in die praktische Arbeit: kirchlicher Unterricht, Gottesdienst und Kindergottesdienst, Hausbesuche, Amtshandlungen, Bibelgesprächskreis und Pfarrdienstgespräche gehören dazu. Dazu unterrichtet sie zweimal in der Woche Religion an der Evangelischen Gesamtschule und verbringt einen Vormittag im Krankenhaus. Ein mehr als volles Programm für die 30-Jährige.

Unerwartet viel Spaß hat sie am Unterrichten. „So hätte ich mich vorher gar nicht eingeschätzt.“ Nach der ersten Predigt ist sie auch hier auf den Geschmack gekommen. „Was habe ich über einen Bibeltext zu sagen? Was ist den Menschen wichtig, zu denen ich rede? Beides miteinander in Einklang zu bringen, das ist ein faszinierender Prozess.“ Gute Erfahrungen hat sie im Bibelgesprächkreis gemacht. „Die Leute sind offen für Neues und bringen sich intensiv ein. Das ist fast ein bisschen wie im Studium.“

Im Blick auf die Vereinigung der vier Kirchengemeinden Bismarck, Bulmke, Hüllen und Ückendorf ist Anna Püllen immer noch gespannt. „Ich kann mir eigentlich gut Gesichter und Personen merken“, sagt sie nachdenklich. „Aber trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, noch ganz an der Oberfläche eines sehr komplexen Systems zu stehen. KB

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