Ein Joghurt ist nicht genug

Das alte Abrechnungssystem für das Mittagessen in den Kindergärten hat ausgedient

Gesund und ausgewogen sind die Mittagsmahlzeiten der Kindergärten. Im Offenen Ganztag an Schulen (hier Nachtisch im „Traumland“ GE-Feldmark) hat der Kirchenkreis von Beginn an mit monatlichen Pauschalen gearbeitet. FOTO: CORNELIA FISCHER

Gesund und ausgewogen sind die Mittagsmahlzeiten der Kindergärten. Im Offenen Ganztag an Schulen (hier Nachtisch im „Traumland“ GE-Feldmark) hat der Kirchenkreis von Beginn an mit monatlichen Pauschalen gearbeitet. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN/ WATTENSCHEID – Mit Beginn des neuen Jahres gibt es in den 27 Kindergärten des Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid eine neue Regelung: Für das Mittagessen ihrer Kinder zahlen die Eltern eine monatliche Pauschale von 48 Euro.

Es klingt fast unwahrscheinlich, doch bisher wurde für jedes einzelne Kind notiert, ob es an der gemeinsamen Mahlzeit teilgenommen hatte oder nicht. Danach erstellte der Kindergarten die individuelle Rechnung. Mit anderen Worten: Jeden Monat gab es rund 600 verschiedene Rechnungen.

„Der Aufwand für die Verwaltung war viel zu hoch“, sagte Christiane Wegers, die Geschäftsführerin der Evangelischen Kindergartengemeinschaft. Sie ist froh, dass die Umstellung jetzt gelungen ist. „Sonst hätten wir die Mehrkosten für diesen Verwaltungsaufwand auf die Mahlzeiten umlegen müssen. Das wäre deutlich teurer geworden als die 2,56 Euro, die jede Mahlzeit kostet, wenn man die Pauschale auf 225 jährliche Öffnungstage umrechnet.“

Nicht nur die Kosten sind ein Grund für die Umstellung. „Erzieherinnen sollen und wollen für die Kindern da sein und pädagogisch arbeiten“, so Wegers. Doch die Verwaltungsarbeiten und die Küchenarbeit stellten sich als Zeitfresser heraus. Jetzt deckt die Pauschale die Kosten für die deutlich reduzierte Buchhaltung ebenso wie für eine Hauswirtschaftskraft, die das Mittagessen vor- und nachbereitet, so dass die Erzieherinnen sich wieder ganz den Kindern widmen können.


Vor Kibiz war der Aufwand noch überschaubar

Die Einzelabrechnung der tatsächlich eingenommenen Mahlzeiten stammte noch aus der Zeit vor dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz), das 2008 in Kraft trat. Damals gab es die Mittagsbetreuung nur in wenigen Kindergärten und nur wenige Kinder (3-7) nahmen daran teil. Das blieb überschaubar: Wenn die Eltern ihr Kind für den nächsten Tag vom Mittagessen abmeldeten, notierte das die Leiterin des Kindergartens in einer Liste für das betreffende Kind und informierte dann den Caterer. Am Monatsende zählte sie für jedes Kind die eingenommenen Mahlzeiten, erstellte eine Rechnung und übergab sie den Eltern, die den Betrag in bar bezahlten. Dann zahlte sie das Geld bei der Bank ein und schickte die Rechnungskopien und die Liste der Kinder und ihrer Mittagessen an die Verwaltung im Kreiskirchenamt. Dort musste die Buchhaltung die eingegangenen Beträge den verschiedenen Kindergärten zuordnen und korrekt verbuchen, überprüfen, ob der richtige Betrag für jedes Kind eingegangen war und ggf. die Zahlung anmahnen. 

Seit Kibiz hat die Betreuung zwischen 12 und 14 Uhr stark zugenommen und ist fast zum Regelfall geworden. Spitzenreiter ist die Schatzkiste (GE-Hüllen) wo 50 Kinder täglich verpflegt werden. „Das alte Verfahren ließ sich für etwa 30 Kinder aus allen Kindergärten noch bewältigen“, sagte Sabine Walter, die Leiterin der Rendantur im Kreiskirchenamt, „aber für 600 Kinder nahm die Arbeit mehr als eine ganze Personalstelle in Anspruch.“ Noch aufwändiger wurde das Verfahren durch „Bildung und Teilhabe“. Für anspruchsberechtigte Kinder mussten zwei Rechnungen erstellt werden: Eine für die Eltern, die einen Euro pro Mahlzeit bezahlen, und eine für die Kommune, die den Restbetrag für jedes eingenommene Essen aus Bundesmitteln finanziert. Mit der neuen Regelung gibt es aus „Bildung und Teilhabe“ pauschal 28 Euro, die Eltern zahlen 20 Euro.


Kinder brauchen jede Menge Energie

Dass nicht alle Eltern die neue Pauschale begrüßen, dafür hat Christiane Wegers viel Verständnis. „Wenn das Kind ein paar Tage lang krank ist, entsteht das Gefühl, für eine Leistung zu zahlen, die gar nicht erbracht wird.“ Doch die Einzelabrechnung würde sie am Ende mehr kosten, weil sie den Verwaltungsaufwand dafür mit bezahlen müssten. „Zudem haben wir die Pauschale so niedrig wie möglich angesetzt und den statistischen Ausfall bereits berücksichtigt“, erklärte Wegers.

Kein Verständnis hat die Leiterin der Kindergartengemeinschaft dafür, wenn Eltern ihr Kind über Mittag im Kindergarten betreuen lassen, aber auf die Mahlzeit verzichten wollen. „Man stelle sich das mal vor: 30 Kinder essen gemeinsam und eine Vierjährige sitzt dabei und löffelt einen Joghurt.“ Vereinzelt haben Eltern ihr solche Vorschläge gemacht. Nicht auf das Geld käme es ihnen dabei an, sondern auf die ‚schlanke Linie‘. Doch aus langjähriger Erfahrung ebenso wie aus der Fachliteratur weiß Wegers: „Kinder verbrauchen jede Menge Energie und benötigen mittags eine ausgewogene warme Mahlzeit. Auch wenn die Familie abends gemeinsam warm isst, kommt ein Kind tagsüber nicht mit einem Joghurt aus.“ Andere Eltern sind besorgt, weil ihr Kind daheim nur ganz bestimmte Speisen zu sich nimmt. Wegers hat schon häufig erlebt, wie sich das ändern kann, wenn Kinder gemeinsam essen: „Die Gemeinschaft, das ausgewogene Angebot und nicht zuletzt zu erleben, was die anderen essen – all das hat schon manches Kind auf einen neuen Geschmack gebracht.“

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