Die einfachen Dinge

Dr. Frauke Haardt-Radzik durfte an der christlichen Meditation teilnehmen

Die Jesusikone zieht die Blicke auf sich.

Die Jesusikone zieht die Blicke auf sich.

Die Teilnehmenden sitzen auf kleinen Holzhockern und meditieren zu einem Bibelvers, zu einer Musik oder einem Mantra. FOTOS: CORNELIA FISCHER

Die Teilnehmenden sitzen auf kleinen Holzhockern und meditieren zu einem Bibelvers, zu einer Musik oder einem Mantra. FOTOS: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Eine Reihe leuchtender Teelichte erhellt den Raum, links und rechts liegen Decken ausgebreitet, auf jeder steht ein schmales Holzbänkchen. Einmal im Monat wird im Matthäuszentrum in Gelsenkirchen-Middelich meditiert.

 „Meditation gab es schon in den Wurzeln der christlichen Religion. Leider leben wir aber aufgrund unseres Fortschritts verfremdet. Wir kennen die Stille nicht mehr, wir kennen die einfachen Dinge nicht mehr“, erläutert Gemeindepfarrer Ernst-Martin Barth. „Aber in jedem Menschen steckt dieses tiefe Geheimnis, dieses Wissen um die Einfachheit und die direkte Verbindung mit Gott.“


Die Warteliste ist lang

Durch eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Geistlichen Begleiter, gefolgt von einer einjährigen Ausbildung „Anleitung in Christlicher Meditation“, sowie einen Intensivkurs in Spiritualität und die langjährige Teilnahme an Meditationswochenenden geschult, bietet Barth seit zwölf Jahren christliche Meditationsabende an.

16 Männer und Frauen sind diesmal ins Matthäuszentrum gekommen. Es würden gern noch mehr Menschen mitmachen, doch die Plätze sind begrenzt, die Warteliste ist lang. Ausnahmsweise darf ich als Gast dabei sein und diese besondere Form der Begegnung mit Gott kennen lernen. Nach einer kurzen Begrüßung und Einstimmung begeben sich alle in den Raum der Stille. Geschäftigkeit, Stress, Lärm und natürlich auch sämtliche Handys bleiben draußen.


Vergangenes hinter sich lassen

Drinnen begibt sich jeder still auf seinen Platz. Nach einigen Entspannungsübungen setze auch ich mich auf das kleine Holzbänkchen und suche meine Meditationshaltung. Pfarrer Barth gibt noch einige Impulse zum Thema Neuanfang, Sehnsucht und Loslassen. Etwa wie Lots Frau im Alten Testament damit umging. So schaute sie sich um nach dem Ort, an dem sie gelebt hatten und den sie nun verlassen sollten - und erstarrte zur Salzsäule. Das Verharren im Vergangenen ließ Lots Frau verkümmern und erstarren.

Dann erklingt der Gong und alle versinken für etwa 20 Minuten in absoluter Stille. Ich nehme den Gedanken auf und sofort tauchen in mir Bilder, Empfindungen, Erinnerungen an dazu passende eigene Erlebnisse auf. Wäre ich nicht unbeschwerter, wenn ich die Vergangenheit hinter mir lassen könnte und mich so befreit zukünftigen Aufgaben widmen könnte? Die Gedanken schweifen ab, kehren zurück. Dann erklingt wie von fern ganz leise der Gong. Alle erheben sich von den Bänkchen und gehen in meditativer Stille durch den Raum. „Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.“ Passend zum Rhythmus des Gehens singen alle zusammen dieses Lied. Nach zwei Runden kehren wir wieder zurück an unsere Plätze, ein weiterer kurzer Impuls und der zweite Meditationsteil beginnt.


Die Leichtigkeit des Seins

Diesmal steht Abraham im Mittelpunkt. Abraham, der bereit ist, nach Gottes Wort zu handeln, alles hinter sich zu lassen, Altes los zu lassen, beweglich zu sein und in die Zukunft zu blicken. Wieder beginnen meine Gedanken zu kreisen, schweifen ab, kehren zurück.

Erneut erklingt der Gong, auch diese Schweigemeditation ist beendet. Zum Abschluss beten alle zusammen das Vaterunser und mit dem Segen beendet Pfarrer Barth diesen Abend, der mich irgendwie gestärkt und mit innerer Leichtigkeit erfüllt.

 

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