Der Trauer Raum geben

Wenn es auf der Seele brennt: Die Erwachsenenbildung bietet einen neuen Gesprächskreis für Trauernde an

Stellten den Gesprächskreis für Trauernde vor: Psychologin Elisabeth Rudnick-Bloch (links) und Sozialarbeiterin Heidi Wiesner (rechts). FOTO: CHRISTIANE OTTE

GELSENKIRCHEN – Im Gemeindehaus Bulmke bietet die Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid wieder eine Gruppe für Trauernde an. Am 16. März beginnt der neue Gesprächskreis, begleitet von Heidi Wiesner (Sozialarbeiterin und Trauerbegleiterin) und Elisabeth Rudnick-Bloch (Psychologin).

Über seine Empfindungen sprechen können

Sie laden Trauernde dazu ein, sich mit anderen Betroffenen über ihre Gefühle, Fragen und Erfahrungen auszutauschen. Was die Teilnahme an einer solchen Gruppe bringen kann, und was sich dadurch im Leben verändert hat, berichten zwei ehemalige Teilnehmerinnen der Trauergruppe, die im letzten Jahr erstmals angeboten wurde. Marita ist 60 Jahre alt, und ebenso wie die 74-jährige Wilma verwitwet. „Das Angebot kam genau im richtigen Moment“ sagt Wilma rückblickend. Das bestätigt auch Marita: „Der persönliche Druck war so stark, dass ich dachte, ich muss irgendwo Hilfe bekommen. Dann war ich froh, als das Angebot in der Zeitung stand!“
Es heißt, die Zeit heile alle Wunden – Sätze wie diesen bekommen Trauernde oft aus dem nächsten Umfeld zu hören. Dazu kommt die Erwartungshaltung, bald die Trauer zu überwinden und wieder am prallen Leben teilzunehmen. Auch Wilma und Marita sahen sich mit viel Unverständnis konfrontiert. „Im normalen Leben findet man keine Menschen, mit denen man über seine Empfindungen sprechen kann“, stellt Marita fest und spricht damit einen weiteren Aspekt der Trauersituation an: dem Gefühl, damit alleingelassen zu werden.

In der Gruppe sind alle Gefühle zugelassen

„Wenn ein tragfähiges soziales Netz da ist, sind trauernde Personen gut aufgehoben“, sagt Rudnick-Bloch. Ab einem gewissen Alter sei das soziale Netz jedoch oft nicht mehr so dicht, oder den vertrauten Menschen fällt es schwer, mit der trauernden Person und ihren unberechenbaren Gefühlen umgehen. „Es gibt immer wieder schwierige Zeiten für Trauernde – Trauer ist kein kontinuierlicher Prozess“, weiß die Psychologin. Eine Gruppe, die aus Gleichgesinnten besteht, könne da anschließen. Bemerkenswert findet sie, dass von Anfang an zwischen den Teilnehmenden eine Vertrautheit und Offenheit herrschte. „Die Verbindung war sofort da“, beschreibt Wilma das erste Aufeinandertreffen. „Vor allem, wenn erkannt wird: Das kenn ich auch!“, bestätigt Marita. Bemerkenswert findet sie, dass in der Gruppe alle Gefühle zugelassen waren: Wut, Zorn aber auch Freude wurden geteilt und es gab Momente, wo herzlich zusammen gelacht wurde.

Auf Wünsche und Bedürfnisse der Trauernden eingehen

In einer Trauergruppe treffen Menschen mit den verschiedensten Erfahrungen aufeinander, jeder Fall ist anders. „Es ist ein Unterschied, ob der Lebenspartner oder das Kind verstorben ist. Die Trauernden bringen unterschiedliche Bedürfnisse mit in die Gruppe, denen wir versuchen gerecht zu werden“, erklärt Rudnick-Bloch und betont, dass eine Gruppen auch Grenzen habe: „Da nicht alles auffangen werden kann, wurde auch schon in akuten Situationen seitens der Teilnehmer professionelle Unterstützung in Anspruch genommen. Aber auch da hilft die Gruppe, wenn die Mitglieder sich untereinander Hinweise geben oder Literatur empfehlen, die ihnen selbst schon gut getan hat.“ Die Wünsche der Trauernden zu berücksichtigen, ist den Leiterinnen der Gruppe sehr wichtig. „Wir gehen auch auf das Bedürfnis der Gruppe nach Spiritualität ein“, bestätigt Trauerbegleiterin Wiesner. So folgte beispielsweise eine pensionierte Pfarrerin und Krankenhausseelsorgerin der Einladung, über religiöse Aspekte des Themas Trauer zu sprechen.

Die Gruppe ist für die Trauernden mit der Zeit zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden. Obwohl sie Mitte letzen Jahres offiziell ihren Abschluss fand, blieben die ehemaligen Mitglieder aus Eigeninitiative untereinander in Kontakt oder treffen sich im Gemeindehaus Bulmke beim Mittagessen. Angedacht ist, für Situationen, „in denen es auf der Seele brennt“, für ehemalige Gruppenmitglieder über das organisierte Angebot hinaus einen offenen Treff anzubieten. Alle, die zum ersten Mal an dem Gesprächskreis für Trauernde teilnehmen möchten, können ab dem 16. März an acht Terminen ihrer Trauer, ihren Gefühlen und Gedanken Raum geben. CO

Anmeldungen und Informationen gibt es unter der Rufnummer 0209 / 1798-122 bei Heidi Wiesner, Ansprechpartnerin der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid.
Die Treffen finden statt ab dem 16. März, jeden Mittwoch von 18 bis 20.15 Uhr. Treffpunkt ist im Gemeindehaus Bulmke an der Florastraße 119 in Gelsenkirchen.

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