Das Lebensgespräch mit Gott suchen

125 Jahre Evangelisch in Buer

Eine Reproduktion des „Erektionsdekretes“ gab es für alle Gäste der Jubiläumsfeier als Erinnerung an diesen besonderen Tag.

Eine Reproduktion des „Erektionsdekretes“ gab es für alle Gäste der Jubiläumsfeier als Erinnerung an diesen besonderen Tag.

„Wie sind sie zum Glauben gekommen?“ Von dieser Frage an ihn erzählte Pfarrer Biermann (vorne). Evangelische Antwort: „Gar nicht. Der Glaube ist zu mir gekommen.“

„Wie sind sie zum Glauben gekommen?“ Von dieser Frage an ihn erzählte Pfarrer Biermann (vorne). Evangelische Antwort: „Gar nicht. Der Glaube ist zu mir gekommen.“

Westfälischer Imbiss und evangelische Impulse: Das Stephanus-Haus war beim Empfang zum 125-jährigen Jubiläum der Gemeinde bis auf den letzten Platz besetzt.

Westfälischer Imbiss und evangelische Impulse: Das Stephanus-Haus war beim Empfang zum 125-jährigen Jubiläum der Gemeinde bis auf den letzten Platz besetzt.

Begegnung am Rande: Zwei Superintendentinnen hat die Evangelische Kirchengemeinde Buer hervor gebracht, Kathrin Göckenjan (links) und Dorothee Franke-Herber mit dem amtierenden Superintendenten Rüdiger Höcker. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

Begegnung am Rande: Zwei Superintendentinnen hat die Evangelische Kirchengemeinde Buer hervor gebracht, Kathrin Göckenjan (links) und Dorothee Franke-Herber mit dem amtierenden Superintendenten Rüdiger Höcker. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

GELSENKIRCHEN – In ihrer Festpredigt zum 125-jährigen Jubiläum der Evangelischen Kirchengemeinde Buer ging Dorothee Franke-Herber zwei Fragen nach. „Fühlt sich Evangelisch-Sein in Buer anders an als in Hamburg oder München, im Harz oder im Münsterland? Und: „Wie können wir klar unser Evangelisch-Sein bezeugen und gleichzeitig gegenüber anderen Glaubensrichtungen einfühlsam, aufgeschlossen und respektvoll sein?“

Vor 40 Jahren war Franke-Herber die erste Frau im Bueraner Pfarrteam und kam nach einigen Jahren im Rheinland als erste westfälische Superintendentin 1996 in den Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid zurück. Seit 2004 ist sie im Ruhestand.


Gottesdienste zu Beginn in derSchule

Die Trinitatis-Kirchengemeinde Buer nahm den Reformationstag 2013 zum Anlass, noch weiter zurück zu blicken, auf ihre Anfänge. „Im Jahr 1870 gab es in Buer 14 Evangelische, bereits 1886 war ihre Zahl auf 700 emporgeschnellt“, schilderte Pfarrer Klaus Venjakob die Anfänge. Offiziell wurde es im Mai 1888, als die „Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen“ das „Erektionsdekret“ für die neue Kirchengemeinde ausstellte. Sie umfasste geografisch ein sehr viel größeres Gebiet als die Evangelische Kirchengemeinde Buer, die sich 2007 mit zwei Nachbargemeinden zur Trinitatis-Gemeinde vereinigt hat. Teile der heutigen Christus-Kirchengemeinde Buer gehörten ebenso dazu wie Beckhausen und den „Pfarrvorsteher“ teilte sie sich mit der Kirchengemeinde Horst. In den Gründerjahren hatte die neue Gemeinde noch kein einziges Gebäude. Die Apostelkirche wurde erst 1893, fünf Jahre später, eingeweiht. „Das ist mir ein Fingerzeig“, sagte Pfarrer Venjakob im Blick auf die aktuellen Diskussionen um den Rückbau, den die derzeit sinkenden Zahlen der Gemeindemitglieder erforderlich machen. Gottesdienst wurde in einer Schule nahe der heutigen Beckeradsdelle gehalten.


Das Wichtige kann wichtiger sein als das Richtige

Fast voll besetzt waren die Bänke in der Stephanuskirche beim Festgottesdienst um 18 Uhr. Die Trinitatis-Bläser unter der Leitung von Jürgen Schlöhlein und Kantor Lother Fischer gestalteten auch die Musik in Soli und Liedbegleitungen zu einem Ohrenschmaus. Viele Gemeindemitglieder freuten sich über das Wiedersehen mit Pfarrerin Franke-Herber. Während ihrer Predigt war die Konzentration in der Stille des Hörens spürbar. Zu ihren Eingangsfragen gab Franke-Herber den Ausblick: „Lasst uns sagen, was uns wichtig ist und uns emotional anrührt, auch wenn es subjektiv ist, stotternd und vorläufig. Das Wichtige kann wichtiger sein als das Richtige. Denn die Kraft Gottes ist nicht die Kraft des Buchstabens, sondern des Geistes, wärmend und stärkend, weitend und entgrenzend, Hoffnung gebend und Perspektive weisend.“


Freiheit um der Menschen willen

Beim Empfang im Stephanus-Haus gab es zu der westfälisch-deftigen Stärkung für den Leib gar keine Grußworte. Statt dessen gab es Impulse zum Thema „Evangelisch heute“. Superintendent Rüdiger Höcker legte dabei Wert auf die Eigenverantwortlichkeit. „Es ist evangelisch, immer wieder neu in das Lebensgespräch mit Gott einzutreten.“ Stadtdechant Wilhelm Zimmermann leitete in ökumenischer Verbundenheit das Adjektiv „evangelisch“ vom Substantiv „Evangelium“ her. „Übersetzt heißt das ‚die gute Nachricht, die frohe Botschaft‘ und wir sind als Christen dazu aufgerufen, diese frohe Botschaft in die Welt zu tragen und mit anderen zu teilen.“ Pfarrer Eckehard Biermann (Christus-Kirchengemeinde Buer) erzählte von einem Gottesdienst im Wichernhaus (Resser Mark). Im Programm waren alle Mitwirkenden namentlich aufgeführt – nur der Pfarrer nicht. Das fand er geradezu programmatisch. „Das ‚Priestertum aller Gläubigen‘ ist ganz wichtig für unser evangelisches Selbstverständnis.“ Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt (Kirchengemeinde Beckhausen) machte das Evangelisch-Sein an der biblischen Geschichte vom Ährenausraufen der Jünger am Sabbat fest. „Wir kennen die Gesetze Gottes und bemühen uns darum, sie zu beachten. Doch um der Menschen willen haben wir die Freiheit, sie zur Not auch einmal beiseite zu lassen.“

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