Daheim nicht erwünscht oder draußen schwer verliebt?

Frank Lumm will sensibel machen für Fragen des Kinderschutzes

„Ein Kinderschutz-Konzept gibt den Gemeinden mehr Sicherheit.“ Frank Lumm steht ihnen bei der Entwicklung zur Seite. FOTO: CORNELIA FISCHER

„Ein Kinderschutz-Konzept gibt den Gemeinden mehr Sicherheit.“ Frank Lumm steht ihnen bei der Entwicklung zur Seite. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid gibt es einen neuen kreiskirchlichen Dienst: Die „Fachberatung Kinderschutz“ umfasst eine halbe Stelle und wird wahrgenommen von Frank Lumm.

„Ich mache jetzt erst einmal eine Bestandsaufnahme, was unsere Kirchengemeinden im Blick auf den Kinderschutz bereits unternehmen“, schilderte der 37-Jährige die Aufbauphase der Arbeit. Seine Ziele hat er klar vor Augen und schildert sie in drei Schritten. Es soll in jeder Kirchengemeinde eine Ansprechperson geben, an die sich jeder und jede wenden kann, die oder der eine Gefährdung des Kindeswohls vermutet. Der sperrige Begriff „Kindeswohlgefährdung“ kann auf ganz konkrete Beobachtungen hinauslaufen. „Wenn ein 13-Jähriger immer schon Stunden vor der Öffnung des Jugendtreffs auf der Treppe sitzt“, so Lumm, „dann kann es sein, dass er daheim nicht erwünscht ist und aus der Wohnung geschickt wird.“ Es kann natürlich auch sein, dass er bloß schwer verliebt ist und Ausschau nach dem Mädchen seiner Träume hält. „Aber es ist eben wichtig, aufmerksam zu sein.“ Gleiches gilt, wenn ein Kind ständig einen ungepflegten Eindruck macht, im Winter zu leichte Kleidung trägt oder regelrecht schmutzig ist. Das kann eine Phase sein, in der es sich so gebärdet, aber es kann auch darauf hindeuten, dass es von den Eltern vernachlässigt wird.

Bei sexuellem Missbrauch sofort das Jugendamt einschalten

„Nachdem zum 1. Januar Veränderungen des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) in Kraft getreten sind, gibt es gesetzliche Auflagen, die wir erfüllen müssen“, erklärt Lumm. Diese Auflagen will er bekannt machen und Hilfestellung leisten, damit sie auch eingehalten werden. „Wer als Hauptamtlicher eine Kindeswohlgefährdung vermutet und nicht aktiv wird, macht sich strafbar.“ Dabei ist Lumm überzeugt, dass Haupt- und Ehrenamtliche in den Gemeinden auch bisher für den Schutz der Kinder eingetreten sind. „Es soll ja gar nicht viel mehr Arbeit machen. Es soll aber mehr Sicherheit geben, wo bisher manchmal vielleicht nicht klar war, ob etwas getan werden muss und was.“

Mit der Bestimmung und Bekanntgabe einer festen Ansprechperson, an die sich jedes Gemeindemitglied und alle Hauptamtlichen im Zweifelsfall wenden können, ist ein erster Schritt in diese Sicherheit getan. Der nächste besteht in der Entwicklung eines so genannten „Flussdiagramms“. Für jede Gemeinde soll der weitere Weg nach dem Kontakt mit der Ansprechperson klar beschrieben sein. „Da geht es um die etwaige Dokumentation, um die Einschätzung des Grades der Gefährdung, um die Einholung des Rates anderer, wenn diese Einschätzung schwer fällt, um die Entwicklung von Hilfskonzepten und um die Frage, wann und wie der Kontakt zu den Eltern gesucht wird und schließlich um die Einschaltung des Jugendamtes.“ Je nach Grad der Gefährdung muss das Jugendamt sogar gleich am Anfang eingeschaltet werden, etwa, wenn es einen Verdacht gibt, dass ein Kind sexuell missbraucht wird.

Fachtagung im Kirchenkreis geplant

Parallel zu diesen Schritten hat sich der neue Kinderschutzmann viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit vorgenommen. „Wir müssen alle lernen, sensibel zu werden, auf Anzeichen zu achten und sie richtig einzuschätzen.“ Lumm ist nicht nur für die Kirchengemeinden, sondern auch für den Kinderschutz in der Kindergartengemeinschaft zuständig. „In dem Bereich ist es vielfach leichter, sich ein Bild zu machen, weil es ständigen Kontakt zu den Eltern gibt.“

Als dritten Schritt will Frank Lumm eine „Fachtagung Kinderschutz“ für den Kirchenkreis veranstalten, um das Erreichte festzuhalten, den Austausch von Erfahrungen zu ermöglichen und weitere Schritte zu verabreden. „Ich hoffe, dass wir Mitte 2013 so weit sein können.“

Als Ansprechpersonen für den Kinderschutz in den Kirchengemeinden können auch Mitarbeitende der Kindergärten benannt werden. Sie müssen eine Schulung absolviert haben, um nach dem BKiSchG als „insofern erfahrene Fachkraft“ anerkannt zu sein. Bei der Fachhochschule Münster wird sie in Form von Modullernen im Internet verbunden mit vier Präsenztagungen angeboten. Lumm hat nicht nur diese Ausbildung absolviert, sondern sich (gemeinsam mit Simone Zimmeck-Gantenberg von der Ludwig-Steil-Kindertagesstätte in Wattenscheid, Beate Mensing vom Apostelkindergarten Buer und Jutta Boden von der Arche Noah in Scholven) durch weiteres Studium als hochschulzertifizierte „Kinderschutz-Fachkraft“ qualifiziert.

Parallel zum Kinderschutz arbeitet Frank Lumm weiterhin im Evangelischen Kinder- und Familienzentrum „Schatzkiste“ Hüllen als pädagogische Fachkraft und in Abwesenheit der Leitung als stellvertretender Leiter. Für den neuen Arbeitsbereich hat er am 1. August ein Büro in der 4. Etage des Kreiskirchenamtes bezogen und ist dort unter 17 98 213 zu erreichen oder mit elektronischer Post: frank.lumm@kk-ekvw.de

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