Aus vier Gemeinden wird eine

Am Pfingstwochenende feierten die vier Gemeinden Wattenscheids ihre Vereinigung

Im Open-Air-Gottesdienst stellte Superintendent Heiner Montanus (rechts) den Bevollmächtigtenausschuss und seine Mitglieder vor: Sie leiten bis zur Wahl des ersten Presbyteriums die Gemeinde. FOTOS: CORNELIA FISCHER

Musikalischer Großeinsatz auf dem Alten Markt: Chöre und Kindergruppen bereicherten das Gemeindefest.

WATTENSCHEID – „Vier gewinnt“ lautete das Motto, unter dem die Gemeinden Wattenscheid-Mitte, Günnigfeld, Höntrop und Leithe ihre Vereinigung zur neuen Evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid – kurz „ekiwa – feierten. Das erste Resultat dieser Fusion konnten etwa 100 Zuhörerinnen und Zuhörer im Mitmach-Konzert am Samstagabend in der Friedenskirche erleben, nämlich einen Chor mit Sängern aus allen vier vormaligen Gemeinden. Dieses Konzert präsentierte zudem die Ergebnisse der vier Musikworkshops am Nachmittag: Im Workshop „Liturgisches Singen“ von Kreiskantor Andreas Fröhling ging es ganz „back to the roots“, nämlich in die mittelalterliche Gregorianik. Die Teilnehmenden stellten sich in zwei Sechsergruppen in der Kirche auf und sangen sich gegenseitig einstimmig einen Psalm zu. Mehrstimmig wurde es im Kanon-Workshop von Ute Dahlke: „Eine Kanon-Melodie kriegt man immer hin, deshalb kann auch jeder mehrstimmig singen.“ Das bewies das Publikum sogleich mit „Du bist mein Zufluchtsort“. Weil das Mitmach-Konzert die ganze Bandbreite der Musik in den Wattenscheider Gemeinden darbieten sollte, durfte auch ein Lied aus Taizé nicht fehlen. Die Wahl fiel auf „Ubi caritas et amor“. Das vierte und letzte Angebot war der von Ingmar Stiller geleitet Gospel-Workshop. Begleitet von E-Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug sang das Publikum den Gospel-Klassiker „What grace“ und den von Stiller selbst komponierten Song „Zur Freiheit befreit“. Ein 13-köpfiger Posaunenchor, zusammengesetzt aus den „Friedensbläsern“ und dem Bläserkreis Höntrop, sowie Orgel-Beiträge von Andreas Fröhling und Frank Staschinski vervollständigten das Konzertprogramm.

Vier bunte Segmente bilden das neue Gemeindelogo

Der Höhepunkt des Wochenendes war der Open-Air-Gottesdienst mit anschließendem Gemeindefest am Pfingstsonntag. Über 600 Besucher hatten sich auf dem mit Pavillons und Bierzelttischen ausgestatteten Alten Markt eingefunden. Auf einer Bühne waren ein etwa 20-köpfiger Posaunenchor, eine Band, ein Altar und ein Lesepult untergebracht. Nach dem Vorspiel der Bläser trugen Jugendliche aus den Gemeinden die vier Segmente des neuen Gemeindelogos auf die Bühne fügten sie an der Wand neben der Bühne zusammen. „So wirkt es viel schöner als jedes Teil einzeln“, stellten sie fest.
Die Pfingst-Erzählung aus der Apostelgeschichte wurde in sechs Sprachen gelesen – in Anspielung auf die Menschen, die vor fast 2000 Jahren aus der halben Welt nach Jerusalem gekommen waren. Auch deshalb wurde die Gemeindefusion bewusst auf Pfingsten gelegt, wie Superintendent Heiner Montanus in seiner Predigt erklärte: „Auch damals gab es sicher Leute, von denen man nicht wusste, ob sie ihre Nachbarn überhaupt kennen. Aber aus all diesen Leuten entstand die erste christliche Gemeinde. Heute ist das anders: Ein Höntroper war durchaus schon mal in Leithe. An so eine Vereinigung muss man sich gewöhnen, wie damals in Jerusalem. Warum das ganze? Man sucht nach einfachen Antworten. Damals dachte man: Da ist Alkohol im Spiel. Heute vielleicht: Wir müssen sparen. Aber wie damals geht auch heute der Impuls zum Zusammenschluss nicht von uns, sondern von Gott aus. Er sieht Verbindendes, wo Menschen in erster Linie Trennendes sehen. Er sagt: Ihr Israeliten, Mesopotamier, Araber, ihr Wattenscheider, Höntroper, Evangelische, Katholische seid alle meine Gemeinde.“ Am Kreuz kommen alle zusammen, genau wie im neuen Gemeindelogo das weiße Kreuz die vier farbigen Rechtecke – blau für Wattenscheid-Mitte, grün für Günnigfeld, violett für Höntrop und gelb für Leithe – miteinander verbindet.

Vereinigung kostet viel Kraft

Um Punkt zwölf Uhr unterbrach das Glockengeläut von St.Gertrudis den Gottesdienst. Diese Pause nutzte die neue Gemeindeleitung, um sich auf der Bühne zu versammeln. Montanus dankte diesen 28 Ehrenamtlern und acht Pfarrerinnen und Pfarrern für ihre Arbeit, mit der sie die Vereinigung vorbereitet hatten: „Es kostet viel Kraft. Die Leistungen der eigenen Gemeinde sollen schließlich nicht untergehen, sondern ein Teil der neuen Gemeinde werden. Die soll schließlich mehr sein als die Summe der vier alten“. Dann nahm er ihnen die Amtsgelöbnisse ab und segnete sie ein. Bis zur Wahl des ersten Presbyteriums werden sie als Bevollmächtigtenausschuss die Gemeinde leiten. Anschließend wurde an zwölf auf dem Platz verteilten Stehtischen das Abendmahl ausgeteilt. Schon zuvor waren auf dem Alten Markt mehrere Grill- und Getränkestände, eine Hüpfburg und vieles mehr aufgebaut. Deshalb konnte direkt nach dem Segen von Pfarrer Holger Dirks und Propst Werner Plantzen das Gemeindefest beginnen. Passend zum Motto der Vereinigung fehlte auch ein mannshohes „Vier gewinnt“-Spiel nicht. Für das Rahmenprogramm sorgten die Wattenscheider Gospelkids, Tanzgruppen der Regenbogenschule, die Theatergruppe Günnigfeld, die Folk-Band „Recommended Chord Possession“ und die FeierAbendBand Wattenscheid. Die vier Wattenscheider Gemeinden waren teilweise 100 Jahre lang eigenständig – eine einzige Gemeinde gab es zuletzt vor 1900. Die neue Gemeinde ist mit etwa 18.000 Mitgliedern eine der größten der Westfälischen Landeskirche. Die Vereinigung hat die Zahl der Gemeinden im Kirchenkreis von zwölf auf neun reduziert.

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