Aus der Vergangenheit lernen

Pfarrer aus Baden und Württemberg befassten sich mit Strukturwandel

Die „alternative Stadtrundfahrt“ der Pfarrgruppe aus Baden und Württemberg begann am Fenster des alten Gelsenkirchener Hauptbahnhofes. Es zeigt im unteren Teil die alten industriellen Säulen der Stadt: Kohle-, Stahl-, Glas-, Bekleidungs- und Chemieindustrie. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Das Ruhrgebiet war abhängig von Kohle und Stahl. Inzwischen sind Bergwerke und Hochöfen fast verschwunden. Was ist danach geschehen, was bedeutet ein solcher Strukturwandel für die betroffene Region? „Es ist vielleicht überraschend, dass wir uns in Baden und Württemberg diese Frage stellen“, sagte Pfarrer Jens Junginger im Gespräch mit Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski. „Doch wir sehen eine Entwicklung vor uns, die Sie bereits hinter sich haben. Unsere Region ist von wenigen Industriezweigen abhängig. Gerade in der Automobilindustrie zeichnet sich der Strukturwandel bereits ab.“

Um „aus der Vergangenheit des Ruhrgebietes für die eigene Zukunft zu lernen“, haben 14 Pfarrerinnen und Pfarrer aus den Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg Ende Februar vier Studientage in Gelsenkirchen verbracht. Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig ließ für sie den Strukturwandel im nördlichen Ruhrgebiet lebendig werden. Eine alternative Stadtrundfahrt zeigte ihnen Industriebrachen statt des Musiktheaters. Es gab Gespräche mit Oberbürgermeister Baranowski und Superintendent Rüdiger Höcker, einen Besuch bei der Bürgerinitiative Flöz Dickebank, eine Betriebsbesichtigung bei Opel in Bochum und einen Vortrag von Prof. Dr. Günter Brakelmann, dem Nestor der evangelischen Sozialethik.

Unendlich viele Eindrücke haben die Gäste mit nach Hause genommen und ein sehr differenziertes Bild. „In der Gruppe gab es keine Klischeevorstellung wie die von den fliegenden Briketts“, berichtete Heisig. „Am Anfang hörte ich eher: ‚Wir können uns gar nicht vorstellen, wie es hier ist.’“ Das hat sich durch die Einblicke in Kirche und Kommune gründlich geändert. „Ein württembergisches Herz fasst es nicht“, lautete der Stoßseufzer von Pfarrerin Annegret Liebmann aus Ulm, als Superintendent Rüdiger Höcker die Profile des Kirchenkreises darstellte. In ihrer Landeskirche würden nahezu alle kreiskirchlichen Aufgaben nebenher von den Gemeindepfarrerinnen und -pfarrern wahrgenommen. „Die Gruppe zeigte sich beeindruckt davon, wie wir als Kirche aufgestellt sind“, sagte Heisig. „Sie hat uns so wahrgenommen, dass wir uns passgenau auf die Lebenssituation der Menschen eingestellt haben.“

Mit den Augen der Gäste hat Heisig das eigene Umfeld noch einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen gelernt. „Das ist ja immer ein Aha-Erlebnis, wenn von außen etwas beobachtet wird, was uns selber völlig selbstverständlich ist. In diesem Fall war es unser offener und direkter Umgang miteinander und die optimistische Tatkraft trotz der manchmal ziemlich entmutigenden Bedingungen.“ KB

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