700 Euro für jeden Kindergartenplatz

Die Synode hat sich mit der Finanzierung der Evangelischen Kindergärten befasst

In kleinen Gesprächsgruppen tauschten sich die Synodalen zu den Impulsen von Dr. Wilfried Reckert aus.

In kleinen Gesprächsgruppen tauschten sich die Synodalen zu den Impulsen von Dr. Wilfried Reckert aus.

Dr. Wilfried Reckert (Seniorenbeauftragter i.R.) stellte den „Masterplan Seniorinnen und Senioren“ der Stadt Gelsenkirchen vor.

Dr. Wilfried Reckert (Seniorenbeauftragter i.R.) stellte den „Masterplan Seniorinnen und Senioren“ der Stadt Gelsenkirchen vor.

Die Kreissynode tagte im Evangelischen Gemeindehaus Rotthausen. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

Die Kreissynode tagte im Evangelischen Gemeindehaus Rotthausen. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

GELSENKIRCHEN – „Auch wenn wir Kirchen und Gemeindehäuser schließen - und derzeitig unseren Kirchenkreis umbauen für unter 70.000 Gemeindeglieder, wo wir noch vor zehn Jahren 110.000 waren, bleiben wir Kirche in der Stadt. Wir zeigen Profil - indem wir uns ändern. Wir suchen die Nähe zu anderen Akteuren in unseren Stadtteilen, um gemeinsam mit ihnen das Leben in der Stadt zu gestalten, menschlich, partizipatorisch, sensibel für die Herausforderungen. Kein Kind soll verloren gehen! Kein alter Mensch soll einsam sterben müssen! Das sind Ziele, die wir nur gemeinsam erreichen können - gemeinsam mit anderen. Darin üben wir uns zurzeit ein. Es fordert uns ziemlich heraus. Aber es tut uns gut.“ So heißt es im Jahresbericht, den Superintendent Rüdiger Höcker der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid am Montag, 30. Juni, vorgelegt hat.

Diese Vernetzung mit anderen Akteuren in den Stadtteilen werde in den Jahresberichten der kreiskirchlichen Dienste und der Kirchengemeinden deutlich. Es sei ein richtiger Weg angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen. Höcker beschrieb diese Entwicklungen auf dem Hintergrund der 5. EKD-Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU). „Ich bin groß geworden mit einer Kirche, die gehört wurde, national und international“, sagte er und fasste eines der KMU-Ergebnisse so zusammen: „Von Generation zu Generation steigt die Zahl derer, die ohne kirchliche Bindung und ohne religiöse Bedürfnisse zufrieden leben.“

Neben der Vernetzung beschrieb Höcker zwei weitere Grundsätze als wegweisend für die Evangelische Kirche in Gelsenkirchen und Wattenscheid: Sie lerne derzeit, die Vielfalt der Kulturen als Bereicherung zu begreifen und zu gestalten (Proexistenz). Und sie übe sich darin, gezielt exemplarisch zu arbeiten. Der Auftrag, Gottes Wort vom Leben auszurichten, bleibe bestehen: „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass ein Leben ohne Bindung an Gott und sein Wort uns nicht gut tut. In einer freien Gesellschaft wie unserer können wir dieses Wort frei ausrichten.“


Rund 40 Euro pro Gemeindemitglied

Schriftlich war den 109 Synodalen im Vorfeld von der Situation der Kindergartengemeinschaft des Kirchenkreises berichtet worden. In den 23 Kitas (17 in GE, 6 in WAT) werde hervorragende Arbeit geleistet. Das wird u.a. deutlich an der Zertifizierung durch den TÜV-Nord Anfang des Jahres. „Zu Recht sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stolz darauf, dieses Ziel gemeinsam erreicht zu haben. Es dient der Transparenz der Prozesse und der pädagogischen Arbeit. Es ist uns wichtig, jedes Kind in seinen Fähigkeiten und Potentialen zu sehen und optimal zu begleiten auf seinem Weg durch die ersten Lebensjahre“, heißt es in dem Bericht.

Die Finanzierung der Arbeit wird jedoch unter dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) immer schwieriger. Erst einmal ist sie sehr kompliziert: Es gibt drei verschiedene Gruppenformen und drei verschiedene Stundenkontingente. Sie müssen jedes Jahr neu ausgehandelt werden, bevor die Kommunen sie schließlich den einzelnen Kitas zuweisen.

Seit dem Kindergartenjahr 2010/2011 ist die Kindergartengemeinschaft unterfinanziert. Der wichtigste Grund dafür: Die Kindpauschalen nach KiBiz steigen jährlich um 1,5 %. Doch die Tariferhöhungen liegen deutlich höher. Dazu addieren sich eine ganze Reihe kleinerer Faktoren: Die fiktiven KiBiz-Personalkosten, die Kostendeckung der Verpflegung, die neuen Vorgaben zur Mindestausstattung an Personal, der Mehrbedarf an Räumen für Kitas mit allen drei Gruppenfomen u.a.m.

Für die Zukunft muss der Kirchenkreis zudem mit sinkenden Kirchensteuerzuweisungen rechnen. Damit stiege der Kirchensteueranteil für die Kindergärten weiter an. Zwei anschauliche Zahlen gab Superintendent Rüdiger Höcker der gestrigen Synode zur Kenntnis: 2013 haben die Kirchengemeinden zur Finanzierung ihrer Ausgaben (ohne Pfarrdienst: z.B. für Jugendarbeit, Kirchenmusik, Gemeindebriefe, Altarschmuck, Heizung, Strom, Reinigung, Küster, Reparaturen etc.) rund 40 Euro pro Gemeindemitglied bekommen. Zugleich hat der Kirchenkreis für jeden Kindergartenplatz über 700 Euro (reiner Trägeranteil) ausgegeben.


2020 nur noch acht Evangelische Kindergärten?

Was ist zu tun? Wünschenswert und im Sinne der Trägervielfalt sinnvoll wäre es, wenn das Land NRW KiBiz so gestalten würde, dass die Kindpauschalen den tatsächlichen Kosten entsprächen und den Trägeranteil der Kirchen auf 9 % reduzierten, wie er für andere freie Träger gilt. Doch die jüngste KiBiz-Novelle hat diese Hoffnung zunichte gemacht. Hilfreich wäre es, wenn die Stadt Gelsenkirchen dem Kirchenkreis im Trägeranteil entgegen käme. Die Stadt Bochum hat ihn freiwillig auf 8 % reduziert, sodass die Kitas in Wattenscheid derzeit noch auskömmlich finanziert sind. Doch in Gelsenkirchen zeichnet sich keine Bereitschaft dazu ab und in Bochum gilt die entsprechende Zusage nur auf Zeit.

Unter der Voraussetzung, dass sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert und unter Berücksichtigung der zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen haben Pfarrer Ernst Udo Metz (Horst, Vorsitzender des Synodalen Finanzausschusses) und Pfarrerin Ute Riegas-Chaikowski (Wattenscheid-Leithe, Vorsitzende des Synodalen Kindergartenausschusses) der Synode am Montag einen Vorschlag unterbreitet, wie es mit der Kindergartenarbeit mittelfristig weitergehen könnte. Danach würde es im Jahr 2020 nur noch acht Evangelische Kindergärten geben (6 in Gelsenkirchen und 2 in Wattenscheid). Sie würden jeweils vier Gruppen umfassen und so ausgestattet sein, dass sie Spielraum haben, um profilierte evangelische Kindergartenarbeit zu gestalten.


Anteil der Generation 60+ steigt

Eine kleine Arbeitsgruppe aus Haupt- und Ehrenamtlichen hat diesen Vorschlag erarbeitet. „Er dient dazu, sich über die Rahmenbedingungen klar zu werden und die Diskussion zu eröffnen“, sagte Riegas-Chaikowski. „Es ist gleichsam die Folie, auf deren Hintergrund auch ganz andere Modelle entwickelt werden können.“ Presbyterien und kreiskirchliche Gremien sind nun aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Die „älter werdende Gesellschaft“ war ein weiteres Thema der Tagung. Die Demografie zeigt: Die Gesellschaft insgesamt wird älter, der Anteil der Generation 60+ steigt. Aber auch die Älteren selbst sind und verstehen sich schon heute deutlich anders als noch vor 20 Jahren und verändern sich weiterhin. Daher hat sich die kirchliche Arbeit mit Älteren bereits gewandelt. Was zukünftig bei der Umgestaltung zu berücksichtigen ist und wie Gemeinden und Dienste mit den Kommunen zusammenwirken können, nahm die Synode in den Blick. Nach einem Referat von Dr. Wilfried Reckert (Seniorenbeauftragter i.R.) über den „Masterplan Seniorinnen und Senioren“ der Stadt Gelsenkirchen gab es einen ersten Gedankenaustausch in Kleingruppen. Deren Ergebnisse fließen ein in die weitere konzeptionelle Arbeit.

Ein starkes Stück Kirche!

Presbyterinnen und Presbyter erzählen von ihrer Arbeit

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