Ein starkes Stück Kirche (7)

„Hier kann man Verantwortung geteilt wahrnehmen, kann gestalten. Das, was man an Lebensüberzeugung hat, kann man hier mit einbringen.“

Hansjörg Mandler, Trinitatis-Kirchengemeinde Buer (11.521 Mitglieder, 3 Kirchen, 3 Gemeindehäuser)

Hansjörg Mandler ist ein Mensch der Taten. Kaum wurde er vor 24 Jahren ins Presbyterium gewählt, fiel ihm ein Ärgernis besonders auf: Die zeitlich meist ausufernden Sitzungen waren ihm gleich ein Dorn im Auge. „Die erste Sitzung ging bis ungefähr 12 Uhr nachts. Zur zweiten Sitzung schon habe ich damals den Antrag gestellt, dass das Presbyterium um 22 Uhr aufhört.“ Eine kühne Forderung, doch sie wurde sofort erhört. Fortan war Mandler mit dafür verantwortlich, dass im Vorfeld der Sitzungen das Protokoll und die zu verhandelnden Punkte exakt vorbereitet wurden. „Seit dieser Zeit ist es insgesamt nur dreimal vorgekommen, dass die Sitzung länger gedauert hat“, weist der heute 65-Jährige stolz auf seinen Erfolg zu Beginn seiner langen Amtszeit hin. „Und heute kann es durchaus vorkommen, dass wir sogar schon um halb zehn fertig sind!“ Während andernorts also das Klagelied der ewig langen Presbyteriumssitzungen noch weiter angestimmt wird, hat vor allem das recht eigenständige Arbeiten in verschiedensten Ausschüssen, die über eigene Kompetenzen verfügen, in der Trinitatis-Kirchengemeinde Buer zu erstaunlich straffen Sitzungen des Leitungsgremiums geführt.

„Ich komme aus einer Familie mit christlicher Tradition, mein Vater war Pastor, ich selbst hab Theologie studiert aber nicht auf Lehramt oder Pfarrer sondern im Bereich der Diakonenausbildung. Kirche ist für mich immer etwas gewesen, das ich als bereichernd für mein Leben empfunden habe. Ins Presbyterium bin ich gegangen, weil ich etwas gestalten, etwas mitmachen wollte.“ Schwierig fand und findet der zweifache Großvater immer wieder, die Menschen in der Gemeinde davon zu überzeugen, dass etwas verändert werden muss, damit das große Ganze trotzdem erhalten werden kann, also konkret etwa Kirchenschließungen aus Geldmangel. Hilfreich sei es hier, dass die Presbyterinnen und Presbyter nicht mehr für einzelne Bezirke, sondern alle zusammen für die Großgemeinde zuständig seien.

Mit Blick auf die anstehenden Wahlen hofft Mandler, dass mehr junge Menschen Interesse am Presbyteramt hätten. Doch was sagt er denen, die sich durchaus engagieren wollen, aber sich nicht so recht trauen, in die Leitung einer Kirchengemeinde einzusteigen? „Du trägst nie allein die Verantwortung, sondern Du trägst sie immer in der Gruppe. Das heißt aber nicht, dass Du Deine Ideen immer voll durchsetzen kannst. Du musst lernen, dafür einzustehen, dafür Leute zu gewinnen. Wir müssen, wenn wir die jungen Menschen dafür finden wollen, ihnen Mentoren an die Hand geben. Es muss innerhalb des Presbyteriums klar sein, wer kümmert sich um diese oder jene junge Person, wer nimmt die Gefühle auf, wenn sie keine Lust mehr haben, vielleicht sogar aufgeben wollen, weil immer die Mehrheit noch anders entscheidet. Da brauchen sie jemanden, der sie unterstützt.“

Denn nur hier, im Presbyterium, gebe es die Chance der generationenübergreifenden Arbeit innerhalb der Kirchengemeinde, betont Mandler. „Das, was man an Lebensüberzeugung hat, kann man hier mit einbringen. Letztendlich ist es ein besonderer Kreis innerhalb der Kirchengemeinde, der zwar Leitungsverantwortung übernommen hat, aber der auch in sich ein Kreis ist, wo man sich zuhause fühlen kann.“

Text und Foto: Frauke Haardt-Radzik

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