Ein starkes Stück Kirche (4)

„Presbyter zu sein ist ganz wichtig, denn ich als Gemeindeglied habe das Sagen. Wir sind Kirche von unten!“

Werner Göbelsmann, Emmaus-Kirchengemeinde Gelsenkirchen (13.323 Mitglieder, 4 Kirchen, 3 Gemeindehäuser)

Seit der letzten Presbyteriumswahl sitzt Werner Göbelsmann im Leitungsgremium der Emmaus-Kirchengemeinde. Wie es da zugeht, ist ihm aber schon lange vertraut, denn auch sein Vater gehörte dem Presbyterium genau dieser Gemeinde an. Laut Kirchensatzung musste Göbelsmann warten, bis sein Vater aus Altersgründen ausschied. Erst dann durfte er antreten. Vorteil für ihn, er wusste schon, dass er viel Zeit und Sitzfleisch für die Zusammenkünfte mitbringen musste: „Mir war völlig  klar, Presbyteriumssitzungen dauern lange, da kommt man manchmal erst um 12 Uhr nach Hause.“ Der aktive  Ruheständler hat sich nach dem Ende seines Lehrerdaseins auch noch für eine weitere, ganz besondere Aufgabe entschieden, er wurde Prädikant. Als solch ein Laienprediger hält Göbelsmann also auch Gottesdienste.

Das Presbyteramt ist für ihn eine ganz wichtige Angelegenheit, denn die Presbyter haben die Aufgabe, die Kirche zu leiten. „Also nicht die Pfarrer, das halte ich für einen ganz wichtigen Punkt in unserer evangelischen Kirche. Ich habe früher schon mal die Erfahrung gemacht, dass Pfarrer meinten, dass wir als Mitglieder der Gemeinde für eine Situation keine Unterschrift sammeln dürften und das war für mich eine Sache, die nicht geht. Denn ich als Gemeindeglied bin derjenige, der das Sagen hat und nicht die Pfarrer. Es ist für mich ganz wichtig, dass die Dinge quasi von unten passieren. Wir sind automatisch Kirche von unten.“

Anstrengend findet der mehrfache Großvater, dass man sich im Leitungsgremium sehr viel über Gebäude und mögliche Schließungen unterhalten muss. „Das ist nicht das Schönste, aber das Notwendigste. Ich sag immer, wenn das Dach nicht in Ordnung ist, wie kann man in unseren Breitengraden Gottesdienst halten, wenn es oben reinregnet.“

Sein Spezialgebiet, so der ehemalige Lehrer, ist für ihn natürlich die Jugend. Die sollte sich auch unbedingt für einen Sitz im Leitungsgremium ihrer Gemeinde aufstellen lassen, und das aus mehreren Gründen: „Zum einen können junge Leute so lernen, was Demokratie ist und zweitens können sie unsere Kirche so in Bewegung halten und das ist sehr wichtig! Wobei ich dies nicht festmache am Alter, denn ich hab auch schon die Erfahrung gemacht, das manche junge Leute, sag ich mal, alt und unbeweglich sind. Dabei brauchen wir die Bewegung in der Kirche.“

Das Unangenehmste seiner bisherigen Amtszeit? Da muss Göbelsmann erst einmal nachdenken. „ Konflikte mit bestimmten Personen im Presbyterium“, fällt ihm dann aber doch noch ein, die waren schon manchmal anstrengend für ihn.

Für die Presbyterwahl im kommenden Jahr wünscht sich der fröhliche 72-Jährige, dass es überhaupt eine echte Wahl gibt, sprich, dass sich ausreichend Gemeindeglieder dazu aufstellen lassen. Und er hofft dabei auf mehr junge Leute, die unbedingt mehr Bewegung in die Gemeinde und deren Leitung bringen sollten.

Text und Foto: Frauke Haardt-Radzik

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