Ein starkes Stück Kirche (12)

„Die Freiheit des Christseins ist für mich auch die Freiheit, mich zu engagieren. Ich empfinde das nicht als Belastung sondern als eine Bereicherung.“

Christian Gerlemann, Kirchengemeinde Heßler (2.058 Gemeindemitglieder, 1 Kirche, 1 Gemeindehaus)

GELSENKIRCHEN – Ob auf dem Friedhof oder in der Presbyteriumssitzung im Gemeindehaus: Christian Gerlemann ist beruflich und ehrenamtlich fest mit der Gemeinde verbunden. Der 50-Jährige ist Friedhofsgärtnermeister und seit 2004 im Leitungsgremium „seiner“ Kirchengemeinde Heßler aktiv.

Sechs Presbyter und ein Pfarrer, da sind kurze Entscheidungswege ein glücklicher Umstand. „Heßler war mal mit Neustadt und Altstadt als dritte Gemeinde mit dabei, aber das war sehr unpersönlich.“ In den 1990er Jahren wurde Heßler als damals jüngste von 22 Gemeinden des Kirchenkreises gegründet

Und als er dann vom damaligen Kirchmeister gefragt wurde, ob er nicht nach dessen Ausscheiden ins Presbyterium gehen wolle, da hat Gerlemann nicht lange nachgedacht. „Der Köder, 10 Sitzungen pro Jahr und das war es dann, hat funktioniert, aber das war natürlich nichts!“ Im Rückblick kann der jetzt als Kirchmeister tätige Gerlemann darüber herzlich lachen. Dankbar ist er aber dafür, dass in dieser überschaubaren Gemeinde mit einer Kirche und einem Gemeindehaus nicht darüber verhandelt werden muss, welches der beiden Gebäude womöglich geschlossen und abgegeben werden muss.

 „Hier herrscht eine geradezu gespenstische Harmonie im Presbyterium. Jede und Jeder will unbedingt dabei bleiben und stellt sich zur kommenden Wahl selbstverständlich auch wieder auf.“ Trotzdem ist dem Kirchmeister klar, dass Nachrücker wichtig sind und gebraucht werden. Und auch bei den jungen Menschen stellt er diese besondere Art von „Heimatverbundenheit“ fest. „Egal wie schnelllebig sich deren Alltag gestaltet, viele legen großen Wert auf Zusammenhalt. Kirche vor Ort ist allen wichtig. Auch die ehemaligen Konfirmanden kommen immer wieder in die alte Gemeinde zurück, heiraten hier und lassen ihre Kinder hier taufen.“ Schwieriger werde es dann, wenn Aufgaben übernommen werden sollen. Doch Christsein heißt für Gerlemann auch, dass hier Gemeinschaft erlebt wird und dazu gehört nun mal auch, dass Aufgaben übernommen werden. Generell ist ihm wichtig, dass in der Gesellschaft, in der man gern lebt, eben ehrenamtlich Aufgaben übernommen werden.

Im Presbyterium zu sein, über die Geschicke der Gemeinde zu entscheiden und hier zusammen zu leben, das ist für ihn etwas ganz Besonderes. „Es ist nicht Beruf, nicht Hobby und diese Form der Gemeinschaft findet schon seit über 2000 Jahren statt. Dabei geht es nicht um irgendwie schöne Veranstaltungen, sondern um den gemeinsam gelebten Glauben.“ Kirche, das ist für ihn das Spirituelle, das ist auch eine Gefühlssache. „Die Freiheit des Christseins ist für mich auch die Freiheit, mich zu engagieren. Ich empfinde das nicht als Belastung sondern als eine Bereicherung.“

Anstrengend und mitunter gar belastend dagegen empfindet Kirchmeister Gerlemann die Zusammenarbeit mit der landeskirchlichen Verwaltung. Dort in Bielefeld hat man seiner Ansicht nach die Probleme kleiner Gemeinden gar nicht im Blick. „In Heßler ist der Reiz, dass man sich in dieser überschaubaren Struktur wiederfindet. Das sollte auch von der Landeskirche wertgeschätzt werden“, wünscht sich Kirchmeister und Friedhofsgärtnermeister Christian Gerlemann.

Die Arbeit als Dreigespann aus Pfarrer, Gemeindesekretärin und ihm, dem Kirchmeister, macht oft richtig Spaß, betont er. Und als Kirchmeister habe er eben auch die Prokura, etwas eigenständig zu entscheiden. Egal wie klein nun die Gemeinde ist. Alles rosig also in Heßler? Beim Blick in die Zukunft wird er dann doch nachdenklich. „Wir stehen in den nächsten Jahren vor ganz besonderen Aufgaben. Ich würde gern in der Kontinuität so weitermachen und die anstehenden Aufgaben auch angehen.“ Doch ob das gelingt? Er will daran gern weiter mitarbeiten.

Text und Foto: Frauke Haardt-Radzik

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