Ein starkes Stück Kirche (11)

„Nicht die Hände in den Schoß legen, sondern auch den negativen Entwicklungen, wie etwa den vielen Kirchenaustritten, aktiv entgegenwirken!“

 

Birgit Klein, Kirchengemeinde Wattenscheid (17.609 Mitglieder, 6 Kirchen, 4 Gemeindehäuser)

WATTENSCHEID – Angefangen hat sie zunächst mit sechs Presbyterinnen und Presbytern in der Kreuzkirche Wattenscheid, Gemeinde Leithe. Dort war es noch recht überschaubar, doch Pfingsten 2017 kam der große Zusammenschluss von gleich vier Kirchengemeinden. „Da kam auf mich der Kulturschock zu“, resümiert Birgit Klein. „Von sechs auf vierzig, das war schon ein Riesending. Man kannte sich ja auch gar nicht, man wusste oft nicht, wie meint der andere das jetzt.“ Gemeinsam mit fast 40 Presbyterinnen und Presbytern entscheidet sie nun über die kirchlichen Angelegenheiten in der Großgemeinde Wattenscheid.

Seit vier Jahren ist die Mutter zweier Kinder in der Kirchenleitung aktiv. Trotz der heftigen Umstellung von der kleinen Gemeinde hin zur großen und teilweise anonymen Großgemeinde gefällt der 54-Jährigen die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu entscheiden und zu bewegen. „Wenn die Sitzungen manchmal auch noch so zäh sind, hinterher das Ergebnis zu sehen, ist schön. Man weiß, dass es gut und richtig entschieden wurde.“  

Angefangen hat ihr kirchliches Engagement, als die Kinder in den Kindergarten kamen. Schon da begann ihr besonderes Engagement, schnell wurde sie im Vorstand des Fördervereins aktiv. „Es war für mich immer wichtig, dass die Kinder im christlichen Glauben aufwachsen“, stellt sie klar. Die Kinder wurden größer, verließen den Kindergarten und Birgit Klein konnte sich neuen Aufgaben widmen. Da kam die Anfrage nach Mitarbeit im Leitungsgremium genau zur richtigen Zeit. Ihre Erfahrungen durch die Mitarbeit im Förderverein des Kindergartens konnte sie nun wunderbar einbringen. Jetzt ist sie im Fachausschuss für Kindertagesstätten aktiv dabei und auch die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Wattenscheid liegt ihr am Herzen.

„War man früher ein ganz normaler Besucher im Gottesdienst, ist es jetzt schon so, dass man sich dafür verantwortlich fühlt, dass alles gut läuft. Wenn viele Leute im Gottesdienst dabei sind, wenn das Feedback kommt, das war ein toller Gottesdienst, dann freut mich das natürlich. Das Verantwortungsgefühl für das alles ist schon gewachsen.“ Ein wenig Stolz schwingt dabei mit, wenn Birgit Klein über ihre Arbeit und die Gemeinde spricht.

„Besonders bereichernd war auf jeden Fall, die Entwicklung des Zusammenschlusses zur Großgemeinde Wattenscheid mitzuerleben. Es mündete 2017 in einem großen Vereinigungsfest, das war ein großer Open-Air-Gottesdienst mitten auf dem Marktplatz in Wattenscheid“, schwärmt Klein auch Jahre danach noch über den geglückten Zusammenschluss.

„Die Arbeit in der Kirchengemeinde voranzutreiben, das ist wirklich eine schöne Sache.“ Nicht so schön findet sie allerdings, dass die Presbyteriumssitzungen oft bis Mitternacht gehen. Denn am nächsten Morgen klingelt für die Berufstätige der unbarmherzige Wecker schon um kurz vor halb sechs. Und bis endlich eine Entscheidung  aller vierzig Mitglieder getroffen ist, das kann schon auch mal ordentlich zäh werden. Da wünscht sie sich häufig etwas mehr Tempo.

Außerordentlich wichtig ist ihr, dass sich die Jugend aktiv einbringt: „Ich finde es ganz wichtig, dass frischer Wind in die Presbyterien kommt!“ Die Begeisterung der vielen jungen Menschen beim letzten Kirchentag möchte sie sehr gern mit in die Gemeindeleitungen hineinnehmen können. „Die sollten sich auch nicht von manch verstaubten Ansichten bremsen lassen, sondern ihren Weg im Presbyterium gehen“, hofft Birgit Klein bei den bald anstehenden Wahlen auf mehr jugendliche Beteiligung. Peppige Musik, neue Instrumente, Schlagzeug im Gottesdienst, all das wäre für sie durchaus denkbar.

„Teil des Entscheidungsprozesses zu sein, nicht die Hände in den Schoß zu legen und passiv abzuwarten, was so geschieht, sondern auch den negativen Entwicklungen, wie etwa den vielen Kirchenaustritten aktiv entgegenzuwirken“, das ist Birgit Kleins Antrieb. Und bei den nächsten Wahlen will sie sich wieder aufstellen lassen.

Text und Foto: Frauke Haardt-Radzik

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