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Trennendes suchen und überwinden

Evangelische und katholische Jugendliche aus Gelsenkirchen und Umgebung suchten nach ihren Gemeinsamkeiten

Von: Maximilian Wiescher | erstellt am: 27.06.2017

Mit Worship-Songs erreichen sie evangelische und katholische Jugendliche gleichermaßen: Tobias Janssen (Gitarre), Meret Kluge und Bianca Galla (Gesang), Markus Galla (Keyboard), Stefan Turton (Schlagzeug) und Andreas Reinhardt (Bass).

Martin Luther als fast lebensgroße Playmobil-Figur (rechts neben Superintendent Heiner Montanus) begrüßte und verabschiedete alle Besucher am Eingang der Kapelle der Jugendfreizeitstätte Gahlen.

Am Snack-Wagen gab es Süßigkeiten, Luthers Fassbrause und Informationen zum Kirchentag 2019 in Dortmund. FOTOS: MAXIMILIAN WIESCHER

SCHERMBECK-GAHLEN – Was glaubst du eigentlich? Was unterscheidet uns? Und noch wichtiger: Was verbindet uns? Evangelische und katholische Jugendliche aus Gelsenkirchen und Umgebung waren am letzten Sonntag im Juni eingeladen, Antworten auf diese Fragen zu finden. Viele junge und auch eine ganze Reihe älterer Menschen hatten sich dazu in der Jugendfreizeitstätte Gahlen eingefunden. Schon mittags beim Steh-Café vor der Kapelle wurden einzelne von ihnen gefragt, warum sie an Gott glauben und Gottesdienste besuchen. Die Antworten reichten von „weil der Pfarrer ganz lustig ist“ bis „weil Gott für mich eine Orientierung ist, die ich immer wieder ansteuern kann“.

Als der ökumenische Gottesdienst begann, wurde es eng in der Kapelle der Jugendfreizeitstätte, sodass kurzerhand zwei zusätzliche Bierzeltbänke hineingestellt wurden. Für die Musik sorgte die sechsköpfige Band aus dem Kirchenmusik-Zukunftsprojekt des Bistums Essen. Geleitet wurde sie von Markus Galla, einem der Popkantoren des Bistums – eine Funktion, die es bisher nur im Bistum Essen gibt.


Protestanten gelten als verkopft

Den Moderatorinnen des Gottesdienstes, Paulina Eggers und Lara Schulte, fiel gleich nach der Eröffnung der erste Unterschied auf: „Einige haben das Kreuzzeichen drauf, andere nicht. Haben die Katholiken darauf das Patent? Wir werden es klären.“ Die nächste Abweichung bemerkten sie beim Glaubensbekenntnis: Einige sagen „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige, katholische Kirche.“ Zuerst klärte Pfarrer Holger Dirks aus Wattenscheid über diese Unterschiede auf: „Das Kreuz ist für alle Christen das Zeichen schlechthin. Für uns Evangelische gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund, das Kreuzzeichen wegzulassen. Es kommt ja auch zum Beispiel in Luthers Morgensegen vor. Man hat es weggelassen, weil man alles Zeichenhafte als typisch katholisch empfand.“ Benedikt Ogrodowczyk, der Pfarrer der katholischen Jugendkirche „Gleis X“ in Gelsenkirchen-Mitte, äußerte sich zum Glaubensbekenntnis: „Das stammt aus dem Jahr 325. ‚Katholisch‘ hatte damals noch nichts mit Konfessionen zu tun, sondern bedeutete ‚allgemein‘ oder ‚weltumfassend‘. Das soll keine Abgrenzung sein, auch wenn ich verstehen kann, dass Evangelische das mit einem etwas anderen Ohr hören.“

Was gefällt Ogrodowczyk am evangelischen Glauben besonders? „Die Überzeugung, dass jeder Mensch von Natur aus gut gemeint ist und man sich Gottes Gnade nicht verdienen muss.“ Die umgekehrte Frage geht an Dirks: „Wir Protestanten gelten als verkopft. Die Rituale der katholischen Kirche bieten mehr Raum für Mystik und Begegnungen mit Gott, was nicht nur den Kopf anspricht.“


Teelichter oder Weihrauch?

Was ist typisch katholisch? Weihrauch zum Beispiel, wie Ogrodowczyk erklärte: „Der ist eigentlich gar nicht spezifisch katholisch, sondern in fast allen Religionen gebräuchlich. Unsere Gebete sollen wie Rauch zum Himmel steigen.“ Entsprechend stellten zwei Teilnehmer aus dem BDKJ ein Weihrauchgefäß in der Mitte der Kapelle auf. Die Frage nach typisch evangelischen Riten war weniger leicht zu beantworten. „Zum Beispiel das freie Gebet. Darin sind wir in Gelsenkirchen zwar nicht so geübt, aber dafür haben wir die Tradition, zu den Gebeten Kerzen anzuzünden.“ Anschließend brachten mehrere Teilnehmer ihre Fürbitten nach vorne und zündeten dazu Teelichter oder weiteren Weihrauch an.

2017 ist nicht nur das Jubiläumsjahr der Reformation: Vor 50 Jahren einigten sich die evangelische und katholische Kirche auf einen einheitlichen Vaterunser-Text. Nach demselben appellierten die Moderatorinnen Paulina Eggers und Lara Schulte: „Lasst uns noch mehr Trennendes suchen, was wir überwinden können!“


WhatsApps von Martin Luther

Nach dem Gottesdienst luden die Mitarbeiter der Evangelischen Jugend Gelsenkirchen/Wattenscheid und des BDKJ die Teilnehmer zu einem Grillpicknick auf der Wiese neben der Kapelle ein. Doch vorher präsentierten Jugendliche aus der Christus-Kirchengemeinde Gelsenkirchen einen Kurzfilm, den sie zusammen mit dem CVJM zum Reformationsjubiläum produziert hatten: Jugendliche durchleben ihren Alltag, erleben dabei Armut und Konflikte und bekommen in den wichtigsten Situationen WhatsApp-Nachrichten von Martin Luther.

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