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Häuslicher Entlastungsdienst

Seit fünf Jahren unterstützen ehrenamtliche Kräfte Angehörige von geistig veränderten Menschen

Von: Christiane Otte | erstellt am: 31.10.2014

Pfarrer Henning Disselhoff (links außen) würdigte Elke Lüning-Makschin, Pfarrerin Dr. Zuzanna Hanussek und Rita Brandt-Matz (vordere Reihe v.l.n.r.), die den häuslichen Entlastungsdienst vor fünf Jahren initiierten, sowie die ehrenamtlichen Kräfte Wolfgang Waßmann und Rolf Brauckmann (hintere Reihe von links). FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Am 10. Oktober hat der häusliche Entlastungsdienst mit vielen Gästen, Angehörigen von geistig veränderten Menschen und den ehrenamtlichen Kräften sein 5-jähriges Bestehen gefeiert.

Mit ganz viel Herz dabei

„Für Angehörige ist es gar nicht so leicht über dieses Thema zu sprechen, andere Menschen in die häusliche Umgebung hineinzulassen und ihnen zu vertrauen“ beschreibt Pfarrer Henning Disselhoff die Situation von betroffenen Familien. Umso erfreulicher sei es, dass die Betreuungsstunden des Entlastungsdienstes in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. „Dies ist auch der Verdienst derer, die sich dieses Vertrauen erworben haben und mit ganz viel Herz dabei sind“, würdigte Disselhoff das Engagement der Ehrenamtlichen.

Eine große Herausforderung

Bürgermeister Werner Wöll verwies auf die Prognose des Bundesministeriums für Gesundheit, dass bis zum Jahr 2030 die Zahl der an Demenz erkrankten und pflegebedürftigen Menschen von derzeit 1,4 Millionen voraussichtlich auf 2,2 Millionen ansteigen wird. Dies stellt nicht nur für das Gesundheits- und Sozialwesen, sondern vor allem für die Angehörigen eine große Herausforderung dar. Dass die Pflegetätigkeit die Gesundheit und das Leben der Pflegenden beeinträchtigt, ist inzwischen nicht mehr von der Hand zu weisen.

Pflege belastet die Angehörigen

„Viele holen sich erst Hilfe, wenn es fast zu spät ist und vergessen, an sich selber zu denken“ erklärte Astrid Rumpf-Starke, Senioren- und Behindertenbeauftragte der Stadt Gelsenkirchen. Erkrankte Menschen machten keine Entwicklung nach vorn, es gehe vielmehr zurück in die Kindheit der Eltern. Die Betreuung geliebter Menschen sei ohne Angebote wie dem häuslichen Entlastungsdienst kaum zu leisten.
Ein Ehrenamtlicher seit der ersten Stunde des Entlastungsdienstes ist Wolfgang Waßmann. Er betreut Männer im Alter von 69 bis 91 Jahren. Seiner Erfahrung nach fordere nicht nur die Pflege viel Kraft. Belastend sei auch die Stigmatisierung, die Angehörige von ihrem Umfeld erführen. Dieses Phänomen kennt auch die ehrenamtliche Betreuerin Ursula Gossmann: „Man sieht nicht nur wie das Leben langsam erlischt, sondern bekommt mit, dass Freundschaften wegbrechen. Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und wenden sich ab.“

Nächstenliebe praktizieren

Seit März 2012 betreut sie eine 86-jährige Dame und greift der Familie wöchentlich für ein paar Stunden unter die Arme. Dafür müsse vor allem die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmen, betonte sie. Um diesen Menschen zu begegnen, brauche man Verständnis und Empathie. „Ein 80-jähriger Mensch hat für jedes Jahr seines Lebens ein Buch gespeichert. Dann verschwinden manche einfach plötzlich“, beschrieb sie die Lage demenziell Erkrankter und stellte fest: „Man muss für die Betreuung schon in sich gefestigt sein, aber es ist schön, diese Nächstenliebe zu praktizieren – schließlich kriegt man auch viel zurück.“ Gelebte Inklusion sei hier gefragt, ergänzte Gossmann: „Es sollten vielmehr junge Menschen damit aufwachsen, damit sie keine Scheu vor beeinträchtigten, älteren oder dementen Menschen entwickeln!“

  • Der häusliche Entlastungsdienst für Angehörige geistig veränderter Menschen wurde vor fünf Jahren von der Bezirksregierung in Düsseldorf behördlich anerkannt. Dieser Dienst steht unter der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Bulmke und schult ehrenamtliche Kräfte für den Umgang mit demenziell erkrankten Menschen, damit sie deren Angehörige bei der Betreuung helfen können. Regelmäßige monatliche Treffen, Vorträge und Weiterbildungen sichern die Qualität dieser Unterstützung.

  • Kontakt: Elke Lüning-Mackschin (für Gelsenkirchen-Bulmke), Florastraße 119, 45888 Gelsenkirchen (Gemeindehaus), Telefon 0209 – 215 34 donnerstags 16-18 Uhr, sonst 0151 156 666 56. Michaela Lukas (für Gelsenkirchen-Horst), Industriestraße 38, 45899 Gelsenkirchen (Gemeindebüro), Telefon 0209 – 557 38 dienstags 14-16 Uhr, sonst 0157 355 409 93.

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