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Matthäuskirche, Cranger Straße 81, Buer-Middelich

Erst auf den zweiten Blick als Gotteshaus zu erkennen: Die Matthäuskirche an der Cranger Straße in Buer-Middelich.
Erst auf den zweiten Blick als Gotteshaus zu erkennen: Die Matthäuskirche an der Cranger Straße in Buer-Middelich.
Raffiniert einfach: Der Altarraum der Matthäuskirche übt mit seinen klaren und reinen Formen einen besonderen Zauber aus.
Raffiniert einfach: Der Altarraum der Matthäuskirche übt mit seinen klaren und reinen Formen einen besonderen Zauber aus.
In dem schlichten Gehäuse verbergen sich 18 fein abgestimmte Register. Die Schuke-Orgel in der Matthäuskirche kann klanglich mit weitaus größeren Instrumenten mithalten. FOTOS: MARTIN SCHMÜDDERICH
In dem schlichten Gehäuse verbergen sich 18 fein abgestimmte Register. Die Schuke-Orgel in der Matthäuskirche kann klanglich mit weitaus größeren Instrumenten mithalten.
FOTOS: MARTIN SCHMÜDDERICH

Steine aus der Tiefe der Erde
... und zu Weihnachten eine „dynamische“ Krippe

Ein paar nackte Zahlen zur Matthäuskirche in Buer-Middelich: Baukosten in heutiger Währung rund 320.000 Euro, Bauzeit 17 Monate, Turmhöhe 32 Meter.

Im November 1960 wurde sie eingeweiht und galt damals als ein Bau von „eigenwilliger Architektur“, der einen „besonderen städtebaulichen Akzent“ setze. Das war keine Kirche, wie man sie kannte, sondern ein hoher achteckiger Raum (22x22 Meter auf 10 Metern Höhe) und davor ein freistehender Glockenturm. Auch innen war diese Kirche ganz schlicht eingerichtet.

Das ist bis heute so geblieben. Die Matthäuskirche ist ein Raum zur Andacht, zur Besinnung auf Gott, zur Besinnung auf sich selbst vor Gott. Doch zugleich macht sie deutlich, dass der christliche Glaube sich nicht auf Sonn- und Feiertage beschränkt. Die einfachen Bänke, der nahezu grob gezimmerte Altarraum, die schmucklose Kanzel und der schnörkellose Altar zeichnen ein Bild vom Glauben, der aus dem Alltag kommt und in ihn hinein gehört.

Auch von außen hat das Gebäude eine solche Wirkung. Fast idyllisch gelegen und doch direkt am lärmenden Verkehr der Cranger Straße, wäre die Kirche kaum als solche zu erkennen ohne den hohen schlanken Glockenturm mit dem Kreuz darauf.

Eine weitere Verbindung zum Alltag und zur Arbeitswelt ist im Rohbau des Kirchen-Korpus verborgen: Die Zeche Graf Bismarck stiftete 1959 den Grundstein und dazu 100.000 Steine aus Schacht 3/5 aus 776 Metern Tiefe, die „eigens zu diesem Zweck zu Tage gebracht und bearbeitet worden“ waren.

1962 wurde das einfache Holzkreuz hinter dem Altar durch die noch heute dort hängende Christusfigur ersetzt. Diese Bronzeplastik hatte im Mittelpunkt der Kunstausstellung des 2. Katholikentages gestanden. Sie beinhaltet kein Kreuz und stellt dennoch den Gekreuzigten dar. Seine schlaff herabhängende linke Hand weist symbolisch auf das Sterben hin, während die geöffnete Rechte auf die Auferstehung deutet.

1963 wurde die Schuke-Orgel eingebaut und fand ihren damals ungewöhnlichen Platz neben dem Altar. Er weist auf die Einheit von gesprochenem und gesungenem Wort hin. Zugleich entzaubert dieser Standort die Musik, insofern der Organist bei seiner Arbeit zu sehen ist. Auch die Orgel kommt in ihrem äußeren Erscheinungsbild sehr schlicht daher, verbirgt jedoch in ihrem Inneren 18 fein abgestimmte Register.

Der Glockenturm musste bereits elf Jahre nach seiner Fertigstellung gründlich repariert werden. Pfusch am Bau kostete die Kirchengemeinde Buer-Middelich rund 70.000 DM.

Zu Weihnachten gibt es in der Matthäuskirche eine wunderschöne Krippe, die Kinderaugen leuchten lässt. Etwa 50-70 Zentimeter hohe Holzfiguren (aus der Holzschnitz- und Spielzeugwerkstatt Lotte Sievers-Hahn) lassen die Weihnachtsgeschichte lebendig werden. Nicht nur Maria und Joseph sind zu sehen, sondern auch die Hirten mit der Schafherde, die Könige aus dem Morgenland mit ihren prächtigen Lasttieren, u.a. einem Kamel und einem Elefanten. „Zum 2. Adventssonntag bauen wir die Krippe auf. Da sind Maria und Joseph noch auf dem Weg nach Bethlehem“, schildert Pfarrer Ernst-Martin Barth. Danach wird jede Woche ein wenig umgestellt und ergänzt, so dass das „Heilige Paar“ erst  am 24. Dezember im Stall ankommt, während die Könige sich aus weiter Ferne auf den Weg dorthin machen. KB

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