


Nach zweieinhalb Monaten und 55 Unterrichtsstunden wurde gefeiert. 2. und 3. von links: Silvia Steppkes und Klaus Theele. Der Kurs fand ebenso wie das Abschlussfest im Amalie-Sieveking-Haus statt. FOTO: CORNELIA FISCHER
GELSENKIRCHEN – „Ich dachte, ich kann das. Doch gerade in den Rollenspielen habe ich gemerkt, wie wichtig so eine Schulung ist.“ Silvia Steppkes hat die Qualifizierung zur Seniorenbegleiterin als Gewinn erlebt. „Die Menschen sind verschieden, jeder reagiert anders.“ Das war ihr schon vorher klar. Aber nun hat sie verschiedene Arten der Kommunikation kennen gelernt und kann sie gezielt einsetzen: Modulationen der Stimme, Berührungen, das Ausdrücken von Gefühlen.
Auch Klaus Theele ist klar geworden, „dass man auf manche Situationen sonst gar nicht vorbereitet wäre.“ Wenn etwa das passiert, was für einen alten Menschen ganz besonders schlimm ist: Nach einem Krankenhausaufenthalt kann er nicht mehr zurück in die eigene Wohnung, sondern muss ins Pflegeheim. Im Kurs hat Theele die Situation durchgespielt. „Das ist ganz schön schwierig.“ Auf diese Lösung wären weder Theele noch Steppkes gekommen: Vorher noch einmal gemeinsam in die Wohnung gehen, damit der alte Mensch die Gelegenheit hat, Abschied zu nehmen von ihr. „Ich hätte wahrscheinlich gedacht, dass es zu schmerzlich wäre, da noch einmal hinzugehen“, so Steppkes. „Aber ich finde es einsichtig, dass jeder Mensch Abschied nehmen will von dem, was einmal war.“
Im vierten Jahr hat die Elisabeth-Käsemann-Familienbildungsstätte den Qualifizierungskurs zur freiwilligen Seniorenbegleitung durchgeführt. Die Leitung teilten sich Anne-Ruth Eichel als systemische Familientherapeutin und Dr. Zuzanna Hanussek als Pfarrerin und Gerontologin. In diesem Jahr haben 10 Frauen und zwei Männer zwischen 33 und 60 Jahren daran teilgenommen. Am 1. Juli erhielten sie im Rahmen des Abschlussfestes ihre Zertifikate.
Seit April hatte die Gruppe in insgesamt 55 Unterrichtsstunden viel gelernt. Los ging es mit der Arbeit an der eigenen Biographie. „Das stärkt das Selbstbewusstsein und hat auch eine wichtige Funktion für das Zusammenwachsen der Lerngruppe“, sagte Dr. Zuzanna Hanussek. Weiter Inhalte sind die Kommunikationsformen, Gestaltungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, die Veränderungen im Alter, die Auseinandersetzung mit Abschied und Trauer sowie ganz praktische Übungen zur rückenschonenden Hilfestellung in der Begleitung.
Die Gründe für die Teilnahme an einem solchen Kurs sind so vielfältig wie die Teilnehmenden. Silvia Steppkes sucht nach einer sinnvollen Beschäftigung nach der Familienphase. Klaus Theele pflegt gemeinsam mit seiner Frau seine 89-jährige Mutter in ihrer eigenen Wohnung. „Nach dem Kurs bieten wir Praktika an“, so Heidi Wiesner von der Elisabeth-Käsemann-Familienbildungsstätte. Silvia Steppkes möchte auf jeden Fall ein solches Praktikum machen. „Ich will jetzt erst einmal ausprobieren, ob ich das überhaupt kann.“ Und sie möchte ganz schlicht einen Erste-Hilfe-Kurs machen. „Der Führerschein ist lange her und es kann sich schnell eine Situation ergeben, in der die einfachen Handgriffe sitzen müssen.“
Ob die „freiwilligen Seniorenbegleiter“ ehrenamtlich in einem Seniorenheim arbeiten, eigene Angehörige betreuen oder im Rahmen von §45b des Sozialgesetzbuches als Begleitende eingesetzt werden, das bleibt ihrer eigenen Entscheidung überlassen. „In jedem Fall bieten wir auch nach Abschluss des Kurses monatliche Treffen an“, berichtete Wiesner. Dazu gibt es weitere Fortbildungen und die Möglichkeit, einen weiteren Kurs zu besuchen, der zur speziellen Begleitung von demenziell veränderten Menschen qualifiziert. Den möchte Klaus Theele als Nächstes absolvieren. „Es gibt immer mehr alte Menschen, die Begleitung in den eigenen vier Wänden brauchen.“