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erstellt am 14.07.10

Was wichtig ist im Leben

Olaf Nelken versteht den Religionsunterricht als Lebensbegleitung

Von: Katharina Blätgen

Pfarrer Olaf Nelken unterrichtet Religion an drei Standorten von zwei Berufskollegs in Gelsenkirchen und Buer. FOTO: CORNELIA FISCHER

Pfarrer Olaf Nelken unterrichtet Religion an drei Standorten von zwei Berufskollegs in Gelsenkirchen und Buer. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Was suchen wir uns eigentlich selber aus? Die Geschwister? Das Land, in dem wir leben? Die Unterrichtsfächer an der Schule? Wenn Pfarrer Olaf Nelken seine Schüler erst einmal soweit hat, dass sie über diese Frage ernsthaft nachdenken, dann spielt er mit ihnen „Lebenslotto“. Aus verschiedenen Lebensbereichen erhalten sie nach dem Zufallsprinzip Karten. Da kann einer schon einmal ein altes Schloss bewohnen, homosexuell sein und sich bei Greenpeace engagieren. Oder arbeitslos, alleinstehend und begeisterter Schachspieler. Die Schüler können ihre Karten untereinander tauschen – wenn sie denn einen Mitschüler finden, der tauschen will. „Daraus ergeben sich hochinteressante Diskussionen darüber, was wichtig ist im Leben oder ob und wie man es beeinflussen kann.“

„Ich stelle oft Aufgaben mit einer spielerischen Komponente“, sagt Olaf Nelken. Religionsunterricht ist seiner Auffassung nach ein Stück Lebensbegleitung. „Ich will Denkanstöße geben, die Schüler herausfordern und erreichen, dass sie miteinander ins Gespräch kommen.“ Auf zwei Schuljahre Erfahrung kann der 49-Jährige inzwischen zurückblicken. Nach der Kreissynode im Juni wurde er auf die neu geschaffene Pfarrstelle des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid für Evangelische Religionslehre an Schulen eingeführt. In seinem Fall ist der Plural „Schulen“ durchaus wörtlich zu nehmen. Nelken pendelt zwischen drei Gebäuden: dem Hans-Schwier-Berufskolleg in Buer sowie zwei Standorten des Berufskollegs für Technik und Gestaltung in Gelsenkirchen und Buer. Knapp 30 Lerngruppen hat er pro Schuljahr. Das sind mehr Klassen als die 25,5 Unterrichtsstunden, die er im Durchschnitt wöchentlich erteilt, denn im Hans-Schwier-Berufskolleg werden die „Landesfachklassen“, also Berufsgruppen aus ganz NRW, für jeweils 3 bis 4 Wochen zusammengezogen und blockweise unterrichtet.

Häufig hat Nelken es also mit technischen Berufen zu tun, etwa angehenden Kraftfahrzeugmechatronikern. Oder in den Landesfachklassen mit Bau- und Umweltberufen wie Schädlingsbekämpfern oder Bauwerksmechanikern. Zu über 90 Prozent sind seine Schüler männlich. „In diesen Berufen sind Frauen immer noch die Ausnahme.“ Wo es sich anbietet, stellt er im Fach Religion eine Beziehung zum Beruf her. So hat er mit einer Gruppe von angehenden Bauzeichnern eine ganze Reihe von Kirchen besucht und danach Entwürfe für eine Autobahnkapelle entwickelt. Doch im Vordergrund steht bei den meisten Klassen die Lebensbegleitung mit Themen wie Selbstbewusstsein, Erziehung, Mann und Frau, Integration oder auch Glaube und Aberglaube. Bei jedem Thema ist Olaf Nelken der Beziehungsrahmen wichtig: „Lernen geschieht in Beziehung. Eine gut gestaltete Beziehung ist die Basis, um sich gemeinsam mit den Fragen des Lebens zu beschäftigen“  fasst er zusammen. „Das setzt voraus, dass ich offen und ehrlich, zugewendet und authentisch bin.“


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