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erstellt am 14.07.10

Von Texten und Textilien

Eine Sommer-Betrachtung von Willi Everding

 

Gelsenkirchen, Juli 2010: Die Sommerhitze brütet über „Hof Holz“. Am letzten Sonntag vor den großen Ferien soll die Beckhauser Gemeinde den Gottesdienst nicht in der Christuskirche feiern, sondern die Menschen versammeln sich auf dem Integrativen Begegnungsbauernhof an der Braukämper Straße. „Familiengottesdienst auf Hof Holz“ – so stand es in den Ankündigungen.

Wie gut, dass die Wagenremise ein wenig Schatten bietet. Aber angenehm kühl ist es auch hier ganz und gar nicht. Dort ist ein Altar aufgebaut, die Sitzplätze sind zum Glück nicht ganz so dicht beieinander und ab und an weht sogar mal ein kleiner Windhauch. Das Glockengeläut kommt vom Band, Kantor Rainer Fidrich spielt auf dem Keybord, die Liedzettel gab es am Eingang. Es kann losgehen.

Die Beckhauser Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt und Pfarrer i.R. Helmut Barth ziehen gemeinsam in den Gottesdienstraum ein. Die Gemeinde lauscht der Musik, spricht im Wechsel mit den Liturgen die Eröffnung: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Der Eingangspsalm wird gebetet, das „Ehr’ sei dem Vater“ wird gesungen.

Dann hören die erstaunten Besucherinnen und Besucher den Pfarrer sagen: „Jetzt haben wir ganz liturgisch und im liturgischen Gewand den Gottesdienst eröffnet.“ Und die Pfarrerin ergänzt: „Nun tragen wir den Temperaturen Rechnung und ziehen den Talar aus. Denn einen froh machenden Gottesdienst können wir auch ohne Talar feiern.“ Sprach’s – und beide entledigen sich des schwarzen Amtskleides und feiern mit den etwas verblüfften Gottesdienstbesuchern einen fröhlichen Gottesdienst, bei dem es übrigens um das Wasser des Lebens ging, mit dem Jesus uns erquicken will.

Die Sommerhitze brütet über „Hof Holz“. Der Feierlichkeit und der andächtigen Stimmung tat das ungewöhnliche Handeln der Beiden übrigens keinerlei Abbruch.

Wie sagte doch einmal ein kluger Mensch? „Es kommt im Gottesdienst auf die Texte an – und nicht auf die Textilien.“


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